Dr. Hans-Joachim Bauer lässt in seinem neuen Foto-Projekt Kulturen aufeinanderprallen

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Eine Idee und ein paar Zeichnungen: Dr. Hans-Joachim Bauer arbeitet an einem seiner Projekte.

Homberg/Marrakesch. Es ist ein idyllisches Bild: Auf dem Markt in Marrakesch werden Waren verkauft. Ware gegen Geld. „Traditioneller Handel“, sagt Dr. Hans-Joachim Bauer.

Und mitten unter den Gauklern, Wahrsagern, Schlangenbeschwörern und Händlern tummelt sich einer, der von allem etwas ist: Kemal Rogers.

Er reagiert auf Empfehlungen, die ihm ein Supercomputer vorgibt und entscheidet somit über Kauf oder Verkauf von Waren. Ähnlich wie die Händler auf dem Markt, nur mit einer ganz anderen Dimension und im Sekundentakt.

Es ist ein fiktives Szenario, das sich der Homberger Künstler Dr. Hans-Joachim Bauer ausgedacht hat. Doch könne das genau so auch in der Wirklichkeit geschehen, fügt er an. Der traditionelle trifft auf den modernen Handel. Festgehalten hat Bauer das in vier Fotos - seinem neuen Kunstwerk.

Handel mit Rohstoffen

„Weizen“ lautet der Titel des neuen Projekts von Bauer. Dafür ist er eigens nach Marrakesch gereist. „Die Konfrontation der beiden Handelssysteme hat diesen Ort für mich reizvoll gemacht“, nennt Bauer einen Grund dafür, warum er sich für den Markt auf dem berühmten Platz Djemaa el Fna im Herzen der Stadt entschieden hat. „Es ist ein ursprünglicher Handelsort“, fügt er an. Und genau dort lässt er die erfundene Person Kemal Rogers - den Chef eines amerikanischen Unternehmens, das mit Wertpapieren und Rohstoffen handelt - schalten und walten. Lässt ihn mit dem Zucken seines Zeigefingers Millionen Dollar und große Mengen Weizen bewegen. „Er erhält über ein Satellitentelefon eine verschlüsselte Nachricht seines Computers in New York.

Auf Computer hören

Der Computer empfiehlt den Verkauf von in Kanada eingelagertem Weizen“, erklärt Bauer. Verkaufswert 6,27 Mio. Dollar. Erwarteter Gewinn: 1,03 Mio. Dollar. Maximal 150 Sekunden bleiben dem Händler für diese Transaktion. „Unter Meeren hindurch, über Kontinente hinweg“, so steht es in dem Artikel, der Bauer auf die Idee zu diesem Projekt gebracht hat. „In der Realität verwandeln Börsenhändler Zahlen mit vielen Nullen in Schicksale von Menschen, Ländern und Kontinenten“, sagt Bauer. Genau das will er mit seiner Bildergeschichte klar machen. „Weil das doch verrückt ist“, sagt Bauer und schüttelt den Kopf.

In Sekundenbruchteilen

Der von Bauer erfundene Kemal Rogers entscheidet sich für den Verkauf des Weizens und gibt dafür seine Koordinaten ein. Diese Situation stellt er mit einem Schattenbild dar. „So läuft der moderne Handel heute ab“, sagt Bauer und blickt dabei auf seine vier Fotos. Bilder, die er in Marrakesch aufgenommen hat und die das Ergebnis seines Weizen-Projektes sind.

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Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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