Prügel in der Küche: Amtsgericht Schwalmstadt sprach 72-Jährigen schuldig

Treysa. Seine Frau soll er hinterrücks attackiert haben: Dafür wurde ein 72-jähriger Akademiker aus dem Altkreis Ziegenhain schuldig gesprochen. Wegen massiver häuslicher Gewalt verurteilte das Amtsgericht Schwalmstadt ihn zu einem Jahr Haft und 7000 Euro Geldbuße. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 72-Jährigen vorgeworfen, im vergangenen Dezember seine 65-jährige Ehefrau unvermittelt geschlagen zu haben. Dabei brach sich die Rentnerin unter anderem einen Lendenwirbel.

Auf Anraten seines Anwalts machte der Angeklagte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Interessiert beobachtete der schmächtige Rentner aber die Aussagen der Zeugen und machte sich eifrig Notizen. Auch sein Verteidiger beschränkte sich bei Fragen auf das Notwendigste. Schon früh wurde deutlich, dass der Jurist die Verhandlung vor dem Amtsgericht lediglich als Zwischenstation betrachtete und der Fall in der nächsten gerichtlichen Instanz erneut verhandelt werden könnte.

Minutiös berichtete das Opfer dem Gericht von ihrem Martyrium kurz vor Weihnachten. Die 65-Jährige konnte sich augenscheinlich bis ins Detail an die Tat erinnern.

Von dem Täter sprach sie ausschließlich in der dritten Person. Bei ihrer Aussage wirkte die Frau zwar oberflächlich gefasst, aber gelegentliches Schluchzen und die zitternde Unterlippe offenbarten die nervliche Anspannung der adrett gekleideten Frau.

Der Vorfall habe sich gegen 8.30 Uhr ereignet, berichtete die Frau. Sie habe wie jeden Morgen in der Küche gestanden und Äpfel für das gemeinsame Müsli geschnitten. Plötzlich sei ihr Mann von hinten an sie herangetreten, habe seinen Arm um ihren Hals gelegt und sie anschließend mindestens zwei Mal mit dem Kopf gegen die Arbeitsplatte geschlagen, erzählte die Zeugin: „Ich habe ihn angeschrien: Du bist verrückt geworden, hör endlich auf.“

Nach dem ersten Angriff sei ihr Mann kurzzeitig aus der Küche verschwunden. Kurz darauf sei er zurück gekommen und habe sie erneut traktiert. Bis ins Schlafzimmer habe der Angeklagte sie verfolgt. „Er schrie ‘Du böses Weib’ und dann ‘Jetzt bring ich dich um’“, sagte das Opfer. Nach rund dreißig Minuten Kampf gelang es der 65-Jährigen schließlich, die Polizei anzurufen.

Ein damals eingesetzter Polizeibeamter zeigte sich auch ein Jahr später vor Gericht noch fassungslos: Menschen in dem Alter sollten anders miteinander umgehen, meinte der Beamte, einem Akademiker hätte er so etwas nicht zugetraut.

Im Lauf der Verhandlung stellte sich heraus, dass die Ehe der beiden Rentner zunehmend durch emotionale und körperliche Gewalttaten geprägt war. Immer wieder soll der Angeklagte seine Frau geohrfeigt haben.

Für die Tat habe es weder Anlass, Rechtfertigung oder gar Entschuldigung gegeben, brachte es der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung auf den Punkt: „Um es deutlich zu sagen: Das war kriminelles Verhalten.“

Quelle: HNA

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