Insbesondere bei Männern wird hohe Dunkelziffer vermutet

Häusliche Gewalt im Schwalm-Eder-Kreis nimmt zu

Schwalm-Eder. Die Zahlen von Fällen häuslicher Gewalt steigen im Schwalm-Eder-Kreis. Unter den Opfern sind vermehrt auch Männer.

„Gerade die psychische Gewalt nimmt zu“, sagt Heidemarie Lange, Leiterin der Interventions- und Beratungsstelle und des Frauenhauses im Schwalm-Eder-Kreis.

Die Statistik der Polizei weist für das Jahr 2013 107 Fälle aus. Von den Opfern waren 100 weiblich und elf männlich. Dabei muss die Anzahl der Fälle nicht mit denen der Opfer übereinstimmen, da es pro Fall mehrere Opfer gegeben haben kann. Im Jahr 2014 gab es 134 Fälle. 107 Opfer waren weiblich, 34 männlich. Im Jahr 2015 gab es 158 Fälle. 128 mal waren die Opfer weiblich, 35 männlich.

Insbesondere bei den Männern wird eine hohe Dunkelziffer vermutet: Das Anzeigeverhalten sei bei den Männern aus Schamgefühl zurückhaltender, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider.

Opfer mit langem Leidensweg

Hinter den Männern und Frauen liege meist ein jahrelanger Leidensweg, schildert Lange ihre Erfahrungen aus den Beratungen. Während Frauen sich häufig als selbst verantwortlich für die gegen sie gerichtete Gewalt ansähen, erduldeten Männer die Gewalt oftmals ohne sich zu wehren. Und das obwohl sie zum Teil körperlich überlegen seien. Kinder seien häufiger Opfer männlicher Gewalt, würden von gewalttätigen Frauen hingegen als Druckmittel eingesetzt.

Eine Rolle bei den gestiegenen Zahlen spielten Frauen mit Migrationshintergrund. Sie profitierten von den deutschen Gesetzen. „Frauen berichten uns, dass sie nach einer Trennung oder Anzeige in ihrer Heimat getötet worden wären.“

120 Frauen und Kinder nutzten im vergangenen Jahr das Frauenhaus als Schutzzone. Im Durchschnitt verbrachten sie dort 31 Tage.

Beratung für Frauen und Männer

Die Interventions- und Beratungsstelle im Landkreis steht Frauen und Männern offen. Ins Frauenhaus dürfen nur Frauen und Kinder, es bietet Platz für zehn Frauen und zehn Kinder. Die Interventionsstelle wird insbesondere nach polizeilichem Einschreiten benötigt. Mit Einverständnis der Opfer wird die Stelle von der Polizei informiert und dann ihrerseits aktiv. Stark zugenommen haben die Beratungen in den vergangenen Jahren. Die häufigsten Themen sind Gewalt, Schutz und Strafanzeigen. Die Beratungsstelle ist 365 Tage, 24 Stunden am Tag erreichbar. Die Beratung ist kostenlos und anonym.

Kontakt: Frauenhaus und Beratung unter Tel. 05681/6170

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

Mehr zum Thema

Kommentare