Schaden von 289.000 Euro

Kraftstoff für Tankstelle in Neukirchen nie bezahlt: Haft für drei Männer

Marburg/Neukirchen. Die Tankstelle in Neukirchen galt eine Zeitlang als eine der günstigsten im weiten Umkreis. Jetzt verurteilte das Landgericht Marburg die drei früheren Betreiber wegen Betrugs zu Haftstrafen. Sie hatten große Mengen Kraftstoff bestellt und nie bezahlt.

Nach zehn Verhandlungstagen endete der Prozess. Den drei Männern wurde vorgeworfen, sich von Februar bis April 2012 illegal Kraftstoffe beschafft zu haben. In der Verhandlung ging es um einen Schaden von 289.000 Euro. Die Kammer verurteilte die Angeklagten wegen Betruges sowie Begünstigung und Beihilfe zum Betrug zu Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und neun Monaten und drei Jahren und drei Monaten.

Abgewickelt wurden die Geschäfte über eine Neukirchener Tankstelle, die von den Angeklagten betrieben wurde, nachdem der Pächter verhaftet worden war und in sein Heimatland Tschechien zurückkehrte.

Die Männer aus dem Raum Frankfurt, dem Landkreis Gießen sowie dem Landkreis Offenbach kauften das Grundstück samt Tankstelle und führten die Geschäfte unter dem Namen des tschechischen Pächters weiter.

Zeugen berichteten, die Tankstelle habe auffällige "Kampfpreise" unter dem Niveau der Konkurrenten geboten. Laut der Anklage war zudem ein Schwarzgeldkonto eingerichtet worden, um einen Zugriff der Gläubiger auf das Geld zu verhindern. Die drei Angeklagten stritten ab, betrügerische Absichten gehabt zu haben. Sie seien lediglich in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ein Lieferant habe ihnen angeboten, die Außenstände anstatt mit Geld mit Kraftstoff zu begleichen. Deshalb hatten sie bei einem anderen Lieferanten eine Bestellung aufgegeben, um die Schulden zu tilgen.

Guter Name in Gefahr

Einer der Angeklagten betreibt eine Tankstelle im Landkreis Gießen. Der 35-Jährige betonte: "Ein guter Name ist in der Branche zu wichtig, um ihn aufs Spiel zu setzen." Durch die Vorwürfe habe er erhebliche Schwierigkeiten, einen Lieferanten zu finden. Er habe lediglich einen Tank bereitgestellt und für den Transport des Mineralöls gesorgt. Eine illegale Handlung habe er darin nicht gesehen. "Das Geschäft mit Treibstoffen ist immer auch ein Spiel mit der Zeit", führte die Verteidigung aus. Das kaufmännische Vorgehen könne nicht als Betrug interpretiert werden.

Auch sein Geschäftspartner aus dem Landkreis Offenbach will vom Betrug nichts gewusst haben. Er habe die Alltagsgeschäfte der Tankstelle dem dritten Geschäftspartner überlassen.

Dessen Verteidigerin sagte, dass ihr Mandant bereits im Rentenalter und gesundheitlich stark beeinträchtigt sei. Er habe die Tankstelle nur aus Gutmütigkeit weiterführen wollen, bis der verhaftete Pächter zurück käme. Er habe immer versucht, alle Rechnungen zu begleichen. Er fühle sich vom Pächter selbst betrogen, der ihn im Stich gelassen habe, so der Angeklagte.

Die Argumente überzeugten das Gericht nicht, zudem sind alle Männer wegen Betrugs und Diebstahls von Kraftstoffen bereits vorbestraft.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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