Hagen Mukerjee flog mit seinem Gleitschirm in Europa, Südafrika und Australien

Mit dem Gleitschirm durch Europa, Südafrika und Australien

Bleibt jetzt auf dem Boden: Seit einer Bruchlandung hebt Hagen Mukerjee nur noch mit seinem Modellflugzeug ab. Fliegerhelm und Gleitschirm sind Vergangenheit. Foto: V. Koch

Melsungen. Seit zwei Jahrzehnten fliegt der 67-jährige Melsunger Hagen Mukerjee bereits Gleitschirm. Und erlebte meist wundervolle, teils aber auch kritische Situationen.

Mit seinem Gleitschirm trudelt Hagen Mukerjee durch die Luft. Er greift unter sich nach dem Rettungsschirm und schleudert ihn nach oben. Der Schirm öffnet sich. Die Hände vor den Augen schickt er ein Stoßgebet Richtung Himmel. Was nun passiert, kann Mukerjee nicht mehr kontrollieren: Mit rasender Geschwindigkeit kommt der Erdboden näher.

Durch seine Finger sieht er nichts als Steine und Büsche. Nur ein Gedanke schießt dem Pilot an diesem Tag vor zehn Jahren am Monte Grappa durch den Kopf: „Nicht auf den Felsen runterkommen.“

Mittlerweile blickt der 67-jährige Melsunger auf fast zwei Jahrzehnte als Gleitschirm-Pilot zurück. „Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt zu fliegen“, sagt Mukerjee.

Seinen Traum erfüllte er sich 1990 und ging in Ruhpolding zur Gleitschirmschule. Seine ersten Flüge waren kaum länger als 30 Sekunden. „Das erste Mal mit den Füßen vom Boden: Das war ein wahnsinnig gutes Gefühl“, sagt Mukerjee. Über jeden Flug mit dem Gleitschirm hat er Buch geführt, egal, wie lang oder kurz er auch in der Luft war.

535 Flüge stehen in den kleinen blauen Heftchen. Sein längster dauerte vier Stunden, der kürzeste nur wenige Sekunden. „Ein Gleitschirm fliegt einfach ganz fantastisch“, sagt der 67-Jährige.

In Australien, Israel, Norditalien, Kroatien und Südafrika ließ er sich von der Thermik und dem Aufwind treiben. Am Mosenberg ist er einmal gegen einen Baum gerauscht. Die unfreiwillige Landung in zehn Metern Höhe nahm der Naturliebhaber gelassen. Mit dem Handy meldete er sich bei seiner Frau und wartete ab, bis ihn Rettungskräfte mit einer Leiter abholten.

Der letzte Eintrag in dem Flugbuch des 67-Jährigen ist von November 2009. Teneriffa und Bruchlandung steht dort. „Jetzt habe ich zwei Titanstangen und sechs Schrauben im Rücken“, sagt Mukerjee.

Die Lust am Fliegen ist ihm trotzdem nicht vergangen. Spricht er vom Treiben mit der Thermik, strahlt der 67-Jährige. In die Luft geht Mukerjee – seiner Familie zu Liebe – seit der letzten Bruchlandung allerdings nicht mehr.

Heute schwingt er sich nur noch mit seinem Modellflugzeug in die Lüfte. Und auch nachts träumt er regelmäßig vom Fliegen. „Dann schwebe ich durch die Straßen meiner Heimatstadt Berlin“, sagt Mukerjee.

Eine Bruchlandung mit Rettungsschirm am Monte Grappa vor zehn Jahren hat Mukerjee unverletzt überstanden. Statt auf den Felsen landete er auf einer Wiese.

Quelle: HNA

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