Kultursommer: Dave Brubecks Jazz-Messe in der Melsunger Stadtkirche

Erhielten stürmischen Applaus: Mitwirkende bei der Aufführung der Messe To Hope. Foto: Kuberczyk-Stein

Melsungen. Über die Jugendzeit des amerikanischen Komponisten Dave Brubeck wird so manches berichtet, was nicht unbedingt auf eine hoffnungsvolle Musiker-Karriere schließen ließe: Brubeck studierte zunächst Tiermedizin.

Als er mit 22 Jahren auf dem College ein Orchester leitete, drohte ihm der Ausschluss, nachdem ein Professor entdeckte, dass der junge Mann keine Noten lesen konnte. Heute ist der 90-Jährige eine lebende Legende und nicht nur Jazz-Fans ein Begriff. Was viele nicht wissen: Als überzeugter Christ hat Brubeck auch Chorwerke geschrieben. So auch die Jazz-Messe „To Hope“.

In Melsungen begeisterte Brubecks geistliche Cross-Over-Komposition am Samstag das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stadtkirche. Es ist ein Werk voller Schönheit, geistlicher Tiefe und scheinbarerer musikalischer Widersprüche. Die Melsunger Inszenierung verschmolz all das zu einem Musikerlebnis der Sonderklasse.

Über den Daumen gepeilt drängten sich dafür etwa 130 Mitwirkende in das malerische Gotteshaus. Mit dabei: die Kantorei der Stiftskirche Rotenburg, die Melsunger Musikantengilde, die Jugendkantorei und Kammerphilharmonie Rotenburg (Gesamtleitung: Eva Gerlach) sowie das „Stanley-Blume-Quartett“.

Als Solisten glänzten Mezzosopranistin Del Sykes, Goetz Phillip Körner als Tenor, Günter Papendell als Bariton und die Kastagnettenspielerin Friederike von Krosigk.

Ernsthaftigkeit der Klassik und religiöse europäische Gesangstradition paarten sich mit leichtfüßiger Unbekümmertheit elegant schlendernder Jazz-Einlagen. Da folgten auf mächtigen Chorgesang und klassische Solostimmen eindringliche Jazzmelodien. Ein schmachtendes Saxofon steht da plötzlich unerwartet allein im Raum, gefolgt von rhythmischem Kastagnettenspiel und einem perlenden Jazz-Piano. „Herr erbarme dich (Kyrie)“, Jesu Abendmahl, das „Vater unser“ begegnet „Take Five“ im 5/4 – Takt.

Kern und Mittelpunkt war das Jazz-Quartett. Die künstlerischen Freiheiten des Brubeck-Werkes motivierte die Jazzmusiker Stanley Blume (Saxophon) und Stefan Kling (Klavier), dieses Cross-Over-Projekt zu ihrer Sache zu machen. Der Dank für dieses außergewöhnliche Konzert gebührt also nicht nur dem Meister und seinem Werk, sondern auch denen, die es zum Leuchten brachten.

Quelle: HNA

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