Handwerk klagt: Lehrlinge nicht reif und wenig motiviert

Wolfhager Land. Bei der IHK-Online-Ausbildungsumfrage in diesem Jahr kritisierten 70 Prozent der befragten Betriebe in der Region die fehlende Ausbildungsreife von Schulabgängern.

Im Detail würden die Betriebe das größte Verbesserungspotenzial in den Bereichen Rechenfähigkeiten, schriftliches Ausdrucksvermögen sowie Disziplin sehen, erklärt IHK-Pressesprecher Andreas Nordlohne. Mehr als jedes zweite Unternehmen verorte im Bereich Leistungsbereitschaft und Motivation Verbesserungspotenzial.

Auch wenn die negativen Beurteilungen über die Ausbildungsreife von Schulabgängern im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück ging: ,Die Werte sind noch deutlich zu hoch“, bilanziert der IHK-Geschäftsführer des Bereichs Aus- und Weiterbildung, Jürgen Peters.

Auf mangelnde Ausbildungsreife reagieren über zwei Drittel der befragten Betriebe mit einem betrieblichen Nachhilfeangebot. So auch die Firma Kuhnert in Niederelsungen, die händeringend zwei Auszubildende sucht. Man schraube die Anforderungen enorm zurück und kümmere sich selbst um die Defizite der Azubis, erklärt Brigitte Kuhnert. Dies sei bei ihrem älteren Lehrling gelungen. Doch jetzt finde man weder für den Ausbildungsberuf des Dachdeckers noch für den des Gerüstbauers einen motivierten Bewerber. „Wo sollen im Handwerk in Zukunft nur die Fachkräfte herkommen“, fragt die Firmenchefin.

Das fragt sich auch Friedrich Bernhardt von der gleichnamigen Haustechnik-Firma in Balhorn. „Wir haben seit sechs Jahren immer wieder Pech mit unseren Lehrlingen.“ Entweder man habe man die Zähne zusammen gebissen oder sie nach der Probezeit nach Hause geschickt. „Viele haben einfach keine Lust.“ Dabei biete der Job gute Perspektiven. Auch bei Bernhardts sucht man einen pfiffigen und motivierten Azubi mit späterer Übernahmechance.

Quelle: HNA

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