Mehr Frauen legen Meisterprüfung im Wolfhager Land ab

Beherrscht ihr Handwerk: Sabrina Kimm am Brenner einer Heizung. Die 26-Jährige ist Installateur- und Heizungsbauermeisterin. Foto:  Renner

Wolfhager Land. Die Zahl der jungen Frauen, die eine Ausbildung im Handwerk machen, ist in den vergangenen Jahren im Landkreis Kassel zwar leicht gesunken.

Gestiegen ist allerdings die Zahl der Frauen, die ihre Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Kassel abgelegt haben.

57 junge Frauen haben im Jahr 2014 im Landkreis Kassel eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf begonnen. Dem gegenüber stehen 220 junge Männer, die im vergangenen Jahr eine Lehrstelle angetreten haben. Noch 2010 gab es deutlich mehr Frauen in der Statistik. Damals fingen 80 eine handwerkliche Ausbildung an, 2011 waren es 73 Frauen und 2012 immerhin noch 61. Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann sieht unterschiedliche Gründe für die Entwicklung. Der demografische Wandel sei zu spüren, aber auch, dass viele lieber studieren, als eine Lehre zu machen, sagt die Friseurmeisterin.

Eine „große Aufgabe“ sei es, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. „Auch muss man bei Eltern und Großeltern um Akzeptanz werben, dass Frauen in jedem Beruf arbeiten können“, sagt Kaske-Diekmann.

Eine „steigende Tendenz“, sagt Barbara Scholz, Pressesprecherin der Handwerkskammer Kassel, gibt es bei den Meisterprüfungen, die von Frauen abgelegt werden. 2013 - aktuellere Zahlen gibt es noch nicht - machten 130 Frauen ihren Meister, im Jahr zuvor waren es 125 und 2011 119 Frauen. Allerdings heißt das nicht, dass im Bezirk der Handwerkskammer nun mehr Frauen einen Meistertitel haben. Denn jemand, der in Kassel gelernt hat, kann seine Prüfung auch in Köln oder Kiel machen und umgekehrt.

Für Alexandra Kaske-Diekmann steht auch künftig auf der Agenda, mehr junge Frauen für das Handwerk zu gewinnen. „Denn sie sind leistungsstark und tun Betrieben und damit auch der Gesellschaft gut.“

Eine Meisterin ihres Fachs

„In der Berufsschule musste ich mir erst einmal Respekt verschaffen“, sagt Sabrina Kimm. Das hat sie längst geschafft. Die 26-Jährige hat mittlerweile ihren Meister gemacht, und das in einem eigentlich von Männern dominierten Beruf: Installateur- und Heizungsbauer.

Dass es sie eher in eine Werkstatt zieht als an eine Uni, war Sabrina Kimm früh klar. „Ich wollte immer etwas Handwerkliches machen“, sagt die junge Frau aus Altenstädt. Zunächst machte sie eine Ausbildung zur Maschinen- und Anlagenführerin. Die Arbeit gefiel ihr aber nicht besonders, deshalb hängte sie eine zweite Ausbildung dran. Darüber freute sich vor allem ihr Vater, ein Installateur- und Heizungsbauermeister. Denn seine Tochter wollte diesen Beruf ebenfalls lernen.

Der Einstieg war aber schwierig, sagt sie heute. Etwa 50 Bewerbungen hat sie geschrieben - und nur eine Zusage bekommen. In Langwedel bei Bremen hat sie schließlich die Ausbildung zur Anlagen-Mechatronikerin für Sanitär, Heizung und Klimatechnik gemacht. Dort, in der Berufsschule, musste sie sich erneut Respekt verschaffen, sagt sie. Auch die Altgesellen, denen sie bei der Abschlussprüfung gegenübersaß, hatten durchaus Vorurteile, sagt Kimm. „Man muss tough sein.“

Doch die Prüfung hat sie locker geschafft und nur knapp vier Wochen später bereits mit der Meisterschule im BZ in Kassel angefangen - als einzige Frau in dieser Fachrichtung. „Es war anstrengend, aber wenn ich etwas anfange, ziehe ich es auch durch.“ 2013 hat sie ihren Meisterbrief bekommen und arbeitet seitdem im Betrieb ihres Vaters.

Lothar Kimm hat den Betrieb vor 30 Jahren aufgebaut, seine Tochter wird ihn irgendwann übernehmen. Vier Mitarbeiter beschäftigt Heizung & Sanitär Kimm in Altenstädt derzeit, im nächsten Jahr kommt ein Lehrling hinzu.

Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte vor allem gute Kenntnisse der Mathematik haben und natürlich praktisch begabt sein, sagt Sabrina Kimm. Wer das mitbringt, kann einen abwechslungsreichen Beruf ausüben: Ob die Sanierung von Bädern, das Verlegen von Fliesen, die Beratung von Kunden oder die Installation von Gas und Wasser. „Für mich war es die richtige Entscheidung, den Beruf zu lernen und den Meister zu machen“, sagt die 26-Jährige.

Quelle: HNA

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