77-Jähriger die Handtasche entrissen: Bewährungsstrafe für 27-jährige Frau

Handy diente zum Beweis

Treysa. Kürzlich wurde vor dem Amtsgericht in Treysa gegen eine 27-jährige Frau aus Algerien wegen Handtaschenraubes verhandelt. Die Tat sei der sprichwörtliche Klassiker, brachte es der Vorsitzende Richter im Prozessverlauf auf den Punkt.

Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte im vergangenen Februar einer 77-jährigen Rentnerin in Neukirchen am frühen Nachmittag die Tasche entrissen haben. In der Tasche befand sich laut Anklageschrift unter anderem ein Portemonnaie mit rund 50 Euro Bargeld sowie ein 10-Mark-Schein.

Die seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebende Asylbewerberin gab den Handtaschenraub unumwunden zu. Noch bei der Polizei hatte sie die Tat zuvor entschieden abgestritten. Das gute Zureden seitens der Pflichtverteidigerin sowie die eindeutige Beweislage, hatte bei der Angeklagten aber offensichtlich ein Umdenken bewirkt.

Sie könne sich die damalige Tat heute gar nicht mehr erklären, sagte die Algerierin: „Ich habe noch nie Probleme gemacht.“ Von dem Geld habe sie Zigaretten und etwas zu Essen gekauft, so die Frau weiter.

„Ich habe noch nie Probleme gemacht.“

Die Angeklagte

Die 27-Jährige war während der Verhandlung sichtlich angespannt, schaute überwiegend unter den Tisch und knetete nervös die Finger. Der Prozess schien ihr augenscheinlich Respekt einzuflößen. Da die im vierten Monat schwangere Frau weder deutsch zu sprechen, noch zu verstehen schien, übersetzte ein Dolmetscher die Verhandlung simultan ins Arabische.

Im Zeugenstand berichtete das 77-jährige Opfer des Raubes von dem Februartag. Sie sei damals gerade auf dem Weg zur Beerdigung ihrer besten Freundin gewesen. Die junge Frau sei ihr entgegengekommen, habe ihr die Tasche vom Arm gerissen und sei dann weggelaufen. „Ich habe um Hilfe geschrien. Mit 77 Jahren kann man nicht mehr hinterher“, sagte die Rentnerin.

„Das war eine Gewalttat und kein Spaß“, erklärte der Vorsitzende Richter nach der Zeugenaussage. Angesichts der direkten Begegnung mit dem Opfer bat die junge Frau die Rentnerin um Entschuldigung. Mit einem leichten Kopfnicken nahm die alte Dame die Geste entgegen.

Neben dem Opfer waren drei Männer sowie ein Polizeibeamter als weitere Zeugen geladen. Sie bestätigen im Wesentlichen den Tathergang. Einer der Zeugen fand in unmittelbarer Nähe des Tatorts das Handy der Angeklagten. Auch dank der Bilder auf dem Handy konnte die 27-jährige Algerierin als Täterin von der Polizei eindeutig identifiziert werden.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt für die Angeklagte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. An dem Tathergang bestehe kein Zweifel, glücklicherweise sei das Opfer bei dem Raub nicht verletzt worden, so der Jurist.

Zusätzlich Geldstrafe

Für den Handtaschenraub verurteilte das Amtsgericht die Algerierin schließlich zu einer einjährigen Haftstrafe, welche für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Darüber hinaus muss die 27-Jährige der Rentnerin innerhalb von 12 Monaten 70 Euro zahlen.

„Das sind Taten, für die ein Asylbewerber ausgewiesen werden kann“, mahnte der Richter die Angeklagte am Ende der Verhandlung.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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