St. Martin ist ein Mädchen

Hanna Rössel reitet zum ersten Mal beim Laternenumzug mit

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Weiblicher St. Martin: Hanna Rössel reitet das erste Mal mit Stute Nina beim Laternenumzug in Fritzlar mit

Fritzlar. 200 Meter neben der Reithalle des Reit- und Fahrvereins Fritzlar werden Bäume gefällt: Mehrere Landschaftsgärtner zersägen Äste, ein Kran hebt die Stämme auf eine Wiese, ein Radio läuft. Nina steht da, als ob sie das nicht interessiert. Die goldblonde Haflingerstute ist die Ruhe selbst.

Diese Art macht sie zum idealen Pferd für den heutigen St.-Martins-Umzug in Fritzlar. Deshalb ist Nina schon seit drei bis vier Jahren das St.-Martins-Pferd, das vor dem Laternenumzug läuft.

Altes Pferd hat neuen Reiter

Für Hanna Rössel ist es auch nicht der erste Laternenumzug, aber der erste hoch zu Ross als St. Martin(a) verkleidet. Obwohl sie schon seit dem fünften Lebensjahr reitet, ist sie ein bisschen aufgeregt. Ein wenig Überredungskunst habe es gebraucht, aber eigentlich traut sie sich das zu. „Wir können keinen Anfänger aufs Pferd setzen, der das Pferd nicht halten kann, wenn es sich erschreckt“, sagt Hanna Rössel.

An den Ritterhelm, der bis über die Nase geht, habe sie sich erst gewöhnen müssen. Helm, Mütze, roten Mantel und Schwert leiht ihr der Verein „Vergessene Welten“ aus. Nina ist eines von drei Schulpferden, die anderen 40 Pferde, die beim Reit- und Fahrverein stehen, sind Privatpferde. Hanna Rössel hat drei eigene Pferde, zwei davon sind deutlich größer als die Haflingerstute Nina. Von ihrer Schule, der König-Heinrich-Schule, bis zum Reiterhof ist es nicht weit. Deshalb kommt Hanna Rössel jeden Nachmittag auf den Reiterhof.

Für sie ist Reiten mehr als ein Hobby: Die 15-Jährige reitet auch auf Turnieren im Schwalm-Eder-Kreis und Umgebung: „Ich will nächstes Jahr in der mittleren Leistungsklasse L reiten und springen.“ Doch im Vergleich zum Martinsumzug ist das nächste Turnier im März noch weit weg. Am Montag heißt es, das fremde Pferd 45 Minuten sicher durch die Fritzlarer Innenstadt zu reiten.

Neue Route

Der Pferdeanhänger wird in der Nähe der Altstadt geparkt, dann muss sich das Duo den Weg durch die Menschenmenge bahnen bis zum Rathaus. Wegen der Bauarbeiten auf dem Marktplatz wird der Martinsumzug dieses Mal eine geänderte Strecke nehmen. Rössel und der Katholische Bläserchor stellen sich vor dem Rathaus auf. Treffpunkt für die Kinder mit ihren Eltern ist der Dr. Jestädt-Platz vorm Dom. Von dort startet der Umzug um 18 Uhr. Vor dem Rathaus endet der Zug, wie jedes Jahr verteilt die Feuerwehr Brezeln an die Kinder – dann sind die Haflingerstute Nina und Hanna Rössel vermutlich schon wieder auf dem Heimweg.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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