Der berühmte Wolfhager in Comics und Jugendbüchern - Interview zur Sonderausstellung

Hans Staden mal ganz anders

Ohne Bart: Staden als Jugendlicher Held auf dem Titel eines Jugendbuchs von Monteiro Lobato, Brasilien. Repro: nh

Wolfhagen. Hans Staden ist der bis heute bekannteste Bürger Wolfhagens. Unter dem Dach der Zehntscheune hat ihm das Regionalmuseum längst einen großen Raum gewidmet. Von einer ganz anderen Seite zeigt ihn die Sonderausstellung „Hans Staden in Jugendbuch und Comic“, die heute Abend eröffnet wird. Über die Hintergründe sprachen wir mit Museumsleiter Dr. Jürgen Römer und Wolfgang Schiffner, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums, der die Ausstellung zusammengestellt hat.

Wie kam es zu der Idee, Hans Staden in Verbindung mit Comics und Jugendbüchern zu präsentieren?

Dr. Jürgen Römer: Auslöser war der neue Hans-Staden-Comic des Trendelburger Künstlers Albert Völkl, der 2010 erschienen ist. Dann schauten wir nach, was es an Jugendbüchern und Comics über Hans Staden gegeben hat. Eine Fülle von Büchern und Comics haben wir gefunden und denken, dass sie dem Publikum im Wolfhager Land gezeigt werden sollten. Wir hoffen, auf diesem Wege Staden, Jugend und Schule zusammen zu bekommen.

War die Auswahl an Exponaten nicht sehr begrenzt? Wielange hat das Zusammentragen gedauert?

Wolfgang Schiffner: Wir haben seit Anfang diesen Jahres recherchiert und dabei mit quasi detektivischen Methoden zwölf Titel gefunden. Wir werden sie alle ausstellen - einige gehören dem Museum, andere stammen von verschiedenen Leihgebern.

Wo kommen die gezeigten Werke her?

Schiffner: Die Bücher und Comics stammen aus Deutschland, Brasilien und ein Heft aus Frankreich. Wir haben die ausgestellten brasilianischen Texte von Gisela Roll aus Balhorn ins Deutsche übersetzen lassen. Die ältesten Stücke stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die jüngsten aus dem 21. Jahrhundert.

Gibt es ein herausragendes Werk, das im Rahmen der Sonderausstellung gezeigt wird?

Schiffner: Der 2005 erschienene Comic von Jo Oliveira aus Brasilien ist sicher ein ästhetisch und künstlerisch sehr ambitioniertes Werk. Einge der älteren Jugenbücher sind heute gesuchte Raritäten und von daher eine Besonderheit.

Comics bringt man ja in der Regel zunächst mit jungen Menschen in Verbindung. An welche Zielgruppe richtet sich die Sonderausstellung?

Dr. Römer: Wir erhoffen uns Besuch von Schulklassen und anderen Jugendgruppen und denken, dass wir mit Jugendbüchern und Comics gerade Kinder und Jugendliche für Hans Staden begeistern können, der schließlich bis heute mit Fug und Recht als der bekannteste Wolfhager Bürger weltweit gelten darf. Nicht zuletzt wird Martin Sonntag, Leiter der Kasseler caricatura, ein Grußwort zur Eröffnung sprechen, was zeigt, dass die Ausstellung in die moderne Comic-Kultur passt. Auch die Wilhelm-Filchner-Schule wird durch Dr. Ruth Kranz-Löber, Fachleiterin Deutsch, vertreten sein. Aber auch Erwachsene werden in der Ausstellung viel Neues sehen und gut unterhalten werden.

Was macht die Ausstellung sehenswert?

Dr. Römer: Zu erkennen, wie ein Klassiker der Entdeckerliteratur vielfältig und immer wieder neu in Sprache und Bild vermittelt wird. Dabei zeigen wir auch sehr ungewöhnliche Stadenbilder, die mit dem hierzulande bekannten nur wenig zu tun haben. In Brasilien prägen sie bis heute aber das Bewusstsein vieler Menschen. Auf dem Titelbild eines Jugendbuchs von Monteiro Lobato etwa ist ein jugendlicher, glatt rasierter Held zu sehen, der so gar nichts mit unserem Hans Staden mit langem Bart zu tun hat.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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