Homberger Schäfer zeigten Alltag mit 800 Schafen und sammelten Unterschriften

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Sie beobachteten die Mutterschafe mit den Lämmern: Gisbert Neumeier mit Timon, Leah und Marina Weinreich.

Homberg. „Die Bienen und die Schafe erhalten ihre Herrn im Schlafe“, spricht der Volksmund. Dass das nicht stimmt, weiß Schäfer Hans-Jürgen Rindt aus Welcherod. Er hat mit seinem Bruder den väterlichen Familienbetrieb übernommen, den es seit 1955 gibt.

Am Sonntag hatten die Schäfer zum „Tag der offenen Schranke“ eingeladen und zeigten den Besuchern ihren Berufsalltag. 800 Schafe zählt die Herde auf der Weide des ehemaligen Standortübungsplatzes in Homberg. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hütet der Schäfer seine Schafe, mehr als 15 Stunden pro Tag während der Lammzeit (zwei Mal jährlich), ansonsten sind es gut acht Stunden täglich.

„Das ist auch mit Arbeit verbunden“, stellte Rindt richtig. Denn der Schäfer stehe nicht nur gemütlich bei den Schafen, sondern hat auch ordentlich zu tun.

Besonders das Scheren der Schafe ist harte körperliche Arbeit. Schließlich bleibe ein Schaf nicht ruhig wie ein Mensch beim Frisör sitzen, während es geschoren wird, erklärte Rindt. Drei bis fünf Minuten braucht er zum Scheren eines Schafes.

„Der Schäfer steht nicht nur gemütlich bei den Schafen.“

Der vor zwei Jahren gestiegene Wollpreis decke gerade die Unkosten, die Schafe würden aber auch aus hygienischen Gründen geschoren. Für die Besucher war die Schafschur im Drei-Minuten-Takt interessant zu beobachten, die jüngeren Besucher hatten Freude an den frisch geborenen Lämmern.

Zur Arbeit der Schäfer gehört neben der Schafzucht auch die Landschaftspflege. Seit 1974 sorgen die Schafe auf dem ehemaligen Militärgelände für eine gepflegte Wiesenlandschaft.

Mit dem Aktionstag wollten die Schäfer außerdem auf den geplanten Verkauf der von der Stadt Homberg gepachteten Weidefläche aufmerksam machen. Im Gespräch ist die Nutzung eines Teils des Grundstücks als Solarpark. Das würde für die Schäfer zum Problem: Der Preis für Weideflächen liegt bei 35 bis 40 Cent/qm, für Fotovoltaikflächen dagegen bei 2,50 Euro/qm.

Zu teuer für die Schäfer, die einen Kauf des 17 Hektar großen Geländes in Erwägung gezogen hatten. Nun bangen sie um ihre Existenz. Es seien ihnen zwar Ausgleichsflächen versprochen worden, berichtete Rindt, „aber 17 Hektar irgendwo zu bekommen, wird nicht einfach“, fügt er hinzu. Und viele kleine Flächen seien mit einer so großen Herde nicht zu beweiden.

Am Aktionstag sammelten sie Unterschriften für ein Bürgerbegehren für den Erhalt der Schaf-Weide, denn das Gelände ist auch ein beliebtes Naherholungsgebiet. „Die Landschaft soll als Naherholungsfläche erhalten bleiben. Keine eingezäunten Solarparks für Kapitalanleger“, fordern die Schäfer.

Viele Besucher trugen sich in die Liste ein. Die Fläche solle für die Schafe und die Homberger erhalten bleiben, meinte etwa Karin Mannheim aus Homberg, die auf dem Gelände gerne mit ihrem Hund spazieren geht. Solar gehöre nicht auf eine Wiese, sondern auf die Dächer, dann würde die Landschaft nicht verschandelt, meinte ein anderer.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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