Bürgermeister Wohlgemuth: Gemeinde hat korrekte Untersuchungsergebnisse für Wichter Straße vorgelegt

Harte Fronten im Kanal-Streit

Gestörte Idylle: Die Anlieger des Starweges im Morschener Ortsteil Wichte streiten mit der Gemeinde um den Aufwand bei der Kanalsanierung. Foto: Rohde

Wichte. Im Streit um die anstehende Sanierung der Kanalisation im Wichter Starweg und die anschließende Erneuerung der Straße haben sich die Fronten verhärtet. Die Anwohner befürchten, dass hohe Kosten auf sie zukommen und zweifeln das Ergebnis der Kanaluntersuchung durch ein Ingenieurbüro an.

Sie haben die Kanalleitung auf eigene Kosten mit einer Videokamera befahren lassen. Über die Unterstellung, hier werde möglicherweise mit falschen Angaben operiert, ist Bürgermeister Herbert Wohlgemuth verärgert. In einer Anliegerversammlung seien sehr wohl die Bilder von der Untersuchung aus dem Starweg gezeigt worden.

Von den Anliegern würden auch falsche Zahlen über die Kosten genannt. Der aus dem Haushalt entnommene Betrag von 400.000 Euro sei aus dem Zusammenhang gerissen. Tatsächlich müssten die Grundstückseigentümer aus dem Starweg die Kosten für Hausanschlüsse tragen, und sie würden voraussichtlich zu 75 Prozent an den Kosten für den Straßenbau beteiligt. Wie teuer der ausfällt, hänge unter anderem von den Wünschen der Anwohner, aber auch von den Ausschreibungsergebnissen ab.

Zwischen 100.000 und 150.000 Euro könnten dafür nötig sein. Die Kosten für die Erneuerung der Kanal- und Wasserleitung würden hingegen nicht auf die Eigentümer umgelegt, erläuterte der Bürgermeister. Wohlgemuth: „Wenn sich die Anlieger einig sind, kann auch ein einfacher Straßenausbau vereinbart werden.“ Die Teerschicht wäre für größere Fahrzeuge noch tragfähig genug. Darüber werde man mit den Anliegern reden, kündigte Wohlgemuth an.

Defektes Rohr: Das Foto zeigt ein Stück Kanal aus dem Starweg, das völlig eingebrochen ist. Foto: Büro Hesse und Partner

Im Bauausschuss soll Ende Juni noch einmal darüber gesprochen werden, ob es bei einer kompletten Erneuerung von Abwasser- und Regenwasserkanal bleibt oder die Rohre im Starweg zumindest teilweise im so genannten Liner-Verfahren renoviert werden sollten. Dabei würde ein mit Kunstharz getränkter Gewebeschlauch von innen gegen die Rohrwände gepresst. Das Kunstharz härtet aus und dichtet das Rohr ab. Entscheidend ist für Wohlgemuth, dass die Ergebnisse den Vorschriften des Hessischen Wassergesetzes und der so genannten Eigenkontrollverordnung entsprechen.

Nach Einschätzung des beauftragten Ingenieurbüros Hesse und Partner wäre eine Renovierung nicht kostengünstiger und für die Gemeinde auch nicht wirtschaftlicher als die Erneuerung des Rohrsystems. Die Lebensdauer der ausgebesserten Leitungen sei einfach geringer. Teile der Kanalisation seien beispielsweise so schadhaft, dass das Liner-Verfahren nicht empfohlen werden könne, erklärte Diplom-Ingenieur Georg Grodde gegenüber der HNA. In noch stärkerem Maße gelte das für die Regenwasserleitung, die bei den Überlegungen der Anlieger aber offenbar keine Rolle spiele. Grodde: „Der Regenwasserkanal ist teilweise so eingestürzt, dass die Kamera steckengeblieben ist.“

Hinzu komme, dass defekte Hausanschlüsse in jedem Fall erneuert werden müssten. Für Bürgermeister Herbert Wohlgemuth spielt noch eine andere Überlegung eine Rolle: Alle Morschener müssten in solchen Fällen gleichbehandelt werden. In Wichte sei bisher mit allen anderen Eigentümern Einvernehmen über den Ausbau von Kanalisation und Straßen erzielt worden.

Quelle: HNA

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