Ulrich Klatte aus Kleinenglis wanderte 700 Kilometer auf dem Jakobsweg

Der harte Kern wird weich

Das Ziel erreich: Ulrich Klatte (rechts) mit Mitpilgerern In Santiago de Compostela vor der Kathedrale. Foto: privat

Kleinenglis. Er stellte sich einer der größten Herausforderungen seines Lebens. Ulrich Klatte (65) aus Kleinenglis wanderte trotz eines Herzinfaktes in 2009 und mehrerer Leistenbrüche 700 Kilometer auf dem Französischen Jakobsweg. Er hat es nicht bereut, auch wenn er sich an manchen Tagen fragte, ob er aufgeben oder weitermachen sollte. Aber Ulrich Klatte ist ein harter Kerl, ein Abenteurer, der durchhielt.

30 Tage, vom 27. Juli bis 27. August dieses Jahres, habe die Pilgerreise gedauert, erinnert sich der wie ein Seebär wirkende Mann mit dem Ring im Ohr. Manchmal habe er pausieren und lesen wollen, aber der Weg und seine Pilgerkameraden hätten ihn auf seinen Etappen angetrieben.

Zwischen 300 und 1500 Metern Höhe von Pamplona bis Santiago de Compostela führte der zumeist steinige, mal schmale, mal breite Jakobsweg. In Herbergen übernachtete er mit vielen anderen Pilgern aus aller Welt.

In Santiago de Compostela an der Kathedrale des Ortes und Ziel des Jakobsweges sei er am 23. August angekommen, erzählt er. Dann folgten drei freie Tage. Mit einem Privatbus reiste er nach Finisterre, was so viel heißt wie das „Ende der Welt“. Vier Tage hätte der Fußweg bis dorthin gedauert, aber dann hätte er sein Flugzeug nicht mehr rechtzeitig erreicht.

Zum Abstempeln der einzelnen Stationen auf dem Weg habe man mindestens eineinhalb bis zwei Stunden anstehen müssen, erzählt er. Neben dem Pilgerausweis, den er am Anfang erhielt, erwarb er sich auch eine Urkunde zum Abschluss des Jakobsweges. Gedanken und Ereignisse hielt er in einem Tagebuch fest.

Er habe sich schon immer als Abenteurer gefühlt, bekennt der zweifache Vater und vierfache Großvater. Durch seine berufliche Tätigkeit als Hochbaupolier habe er viel von der Welt gesehen. Vier Jahre war er in Afrika tätig.

Dort habe es eine ganz andere Kultur gegeben, berichtet der kontaktfreudige Mann, der in Pommern geboren wurde. Seit 1966 lebt er mit seiner Ehefrau Renate (62) in Klein-englis im eigenen Haus. Aufgewachsen ist er in Alt Garge bei Lüneburg.

„Wenn sich mein Mann etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird das durchgezogen“, unterstreicht seine Frau. Tochter Carmen (43) und Sohn Thorsten (39) unterstützten die Entscheidung des Vaters, auf dem Jakobsweg zu wandern.

Bedenken wegen gesundheitlicher Probleme des Vaters hatten sie aber schon. Ulrich Klatte ist seit sieben Jahren Rentner. Schon zeitig musste er aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu arbeiten. Ulrich und Renate Klatte betreiben heute eine kleine Bienenzucht.

Kontakt: Ulrich Klatte, Borken-Kleinenglis, Tel. 05682/ 3822, www.pilger-weg.de/pilgerwege3/jakobsweg

DREI FRAGEN,

HINTERGRUND

Von Gunda Hintzmann

Quelle: HNA

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