Hartmut Becker entdeckte über 4000 Jahre altes Werkzeug auf Dörnberg

Ein Acker auf dem Dörnberg: Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel (links), Finder Hartmut Becker (Mitte) und Heimatforscher Klaus Fröhlich versuchen den exakten Fundort des Beils mit Hilfe einer Karte einzugrenzen. Fotos: Thon

Zierenberg. An den Tag genau im Jahr 1995 kann sich Hartmut Becker nicht erinnern. Er weiß nur, dass er zum Modellfliegen auf dem Dörnberg war, vermutlich war es Herbst. Seinen Wagen hatte er auf dem Parkplatz an der Zufahrtsstraße zum Naturparkzentrum Habichtswald abgestellt.

Vielleicht hat er sich die Füße vertreten, ist ein paar Schritte mit dem Hund zum angrenzenden Acker gegangen, als er das Ding entdeckte.

Daheim in Ihringshausen säuberte er seinen Fund, der von einer grünen Patina überzogen war. Er polierte das Teil, das ihn an einen Lötkolben erinnerte, bis es matt kupferfarben glänzte und legte es in eine Umzugskiste. Dort schlummerte der Schatz die nächsten Jahre. Bei zwei kürzlich ausgestrahlten Fernsehsendungen – eine über die Kelten, eine andere über den Dörnberger Heimatforscher Klaus Fröhlich – erinnerte sich Hartmut Becker an den merkwürdigen Fund und nahm Kontakt zu Fröhlich auf.

„Der Fund ist von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung.“

Elf Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit: Das Kupferbeil vom Hohen Dörnberg.

Inzwischen hat Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel das keilförmige Objekt genauer untersucht und ein Urteil gefällt: „Der Fund ist von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung.“ Das etwa elf Zentimeter lange und fünf Zentimeter breite Beil soll zwischen 4000 und 4500 Jahre alt sein. Der Form nach gehört es in die Kupfersteinzeit. Die Kupfersteinzeit schließt sich an die Steinzeit an und wird von der Bronzezeit abgelöst (siehe Hintergrund). Mit den Kelten, die erst wesentlich später die historische Bühne am Dörnberg betraten, hat es also nichts zu tun.

In ganz Nordhessen wurden bislang etwa 15 Kupferbeile gefunden. Eines der ältesten wurde im Jahr 1906 bei Hertigshausen aus der Erde gebuddelt, ein anderes im Jahr 1874 von Arbeitern, die in Rothenditmold die Bahngleise verlegten. Weil das von Hartmut Becker entdeckte Beil stärker aufgewölbt ist, folgert der Bezirksarchäologe, dass es nicht ganz so alt es wie das Hertigshäuser.

Doch wem gehörte der Gegenstand? Dr. Klaus Sippel geht davon aus, dass sein Besitzer ein angesehener Mann gewesen sein muss. Denn auch wenn es den Rohstoff Kupfer in Nordhessen gab, so musste man sich das wertvolle Material damals leisten können. Das Beil war ein Statussymbol. Aber natürlich war es mehr als ein hübsches Accessoire. Mit ihm konnte Holz bearbeitet werden, und es wurde als Waffe eingesetzt.

Sippel sagt, dass das Beil mit Birkenpech mit einem Knieholz verklebt und mit Leder umzurrt war. Das bekannteste Kupferbeil ist das vom Ötzi. Und dem sehe es sehr ähnlich, sagt Klaus Fröhlich.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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