Haschisch aus der Toilette

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Spuren gesichert: Der vom Gericht verurteilte 26-jährige Mann aus Treysa hatte einen Teil der Drogen hinter einem Lüftungsgitter in einer Toilette versteckt.

Treysa. Wegen unerlaubtem Handels mit Betäubungsmitteln in 58 Fällen musste sich gestern ein ehemaliger Bewohner des Asylbewerberheimes am Harthberg vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten.

Laut Anklage hatte der Asylsuchende im Zeitraum Februar bis Juli vergangenen Jahres in Schwalmstadt mit Haschisch gedealt und einen Teil der Drogen hinter einem Lüftungsgitter in einer Toilette des Asylheims versteckt.

Das Gericht verurteilte den 26-jährigen Mauretanier zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Zudem trägt er die Kosten des Verfahrens.

Der Angeklagte, der die vergangenen sechs Monate in Untersuchungshaft in Gießen verbracht hatte, gab vor Gericht den Handel mit Haschisch zu. Die Drogen habe er mit Hilfe eines ehemaligen Mitbewohners des Asylheims und dessen Bekannten besorgt.

Er habe Haschisch an eine 39-jährige Zeugin aus dem Altkreis Ziegenhain verkauft. „Sie ist oft im Heim gewesen, nicht nur bei mir. Sie trinkt auch“, berichtete er über die Zeugin.

Die 39-Jährige selbst sagte aus, sie habe den Angeklagten regelmäßig einmal wöchentlich aufgesucht, um Haschisch bei ihm zu kaufen. „Es kam auch schon mal vor, dass ich für 20 Euro gekauft habe“, erzählte sie.

Der Angeklagte habe in seinem Zimmer Haschisch für 30 bis 40 Euro vorrätig gehabt. „Er war großzügig und der Netteste von allen. Wenn er nicht da war, bin ich zu anderen gegangen“, gab die Zeugin weiter an. In sechs weiteren Fällen hatte der Angeklagte Haschisch an eine Vertrauensperson der Polizei verkauft. Auch diesen Handel räumte er vor Gericht ein.

Die Vertrauensperson war während der Drogenermittlungen in das Asylbewerberheim eingeschleust worden, um Drogendealer ausfindig zu machen und ihre Verbindungen aufzudecken.

Ankauf nach Absprache

Die Vertrauensperson habe rasch Kontakte zu den Heimbewohnern geknüpft, unter anderem zum Angeklagten, erklärte der für den Einsatz zuständige Beamte des Landeskriminalamtes Wiesbaden. Und in Absprache mit der Staatsanwaltschaft habe die Vertrauensperson Haschisch von dem Angeklagten gekauft.

Während einem dieser Scheingeschäfte war der Angeklagte schließlich im Juli 2011 in Schwalmstadt mit zwei 100-Gramm-Platten Haschisch festgenommen worden.

Die Vertrauensperson war es auch, die den Ermittlern den Hinweis auf das Versteck des Angeklagten hinter dem Lüftungsgitter gegeben hatte.

Dort befanden sich 20 bis 30 abgepackte Haschischportionen, von denen die Vertrauensperson eine an sich nahm und den Beamten übergab. Bei der anschließenden Durchsuchung war das Versteck allerdings leer.

Auf Antrag des Staatsanwaltes fasste das Gericht den Beschluss, 30 Fälle einzustellen. Ob der Angeklagte das Versteck allein genutzt hatte, war nicht klar. Auch hatte die Zeugin versichert, nicht in jedem Fall bei ihm Haschisch gekauft zu haben.

Großeinsatz im September

Der gestrige Prozess vor dem Amtsgericht Treysa war Resultat einer von mehreren Spuren in Sachen Drogenhandel, die am 1. September 2011 in einen Großeinsatz der Polizei mündeten. Wegen Drogen und Bandenkriminalität sowie illegalem Waffenbesitz durchsuchten ein Großaufgebot der Polizei und Mitarbeiter der Marburger Staatsanwaltschaft das Asylbewerberheim am Harthberg in Treysa. Zudem wurden fünf weitere Wohnungen und Räume im Landkreis durchsucht.

Ermittlungen der Polizei hatten ergeben, dass Drogen und Hehlerware aus Diebstählen aus dem Asylbewerberheim heraus verkauft worden waren. Bei der Razzia waren 24 Menschen im Alter von 18 bis 43 Jahren festgenommen worden. (jkö)

Quelle: HNA

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