Zu Besuch bei Maler Horst Knobel: Ausstellung im Rotenburger Muzkkka

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Ein gutes Team: Leni und Horst Knobel im Atelier in Spangenberg. Hier wird auch das Archiv des Künstlers gepflegt.

Spangenberg. „Wenn er nicht malt, wird er ungenießbar“, sagt Leni Knobel über ihren Mann, den Künstler Horst Knobel, und lächelt dabei verständnisvoll. Wir sitzen im Wohnzimmer des Paares im Haus in Spangenberg.

Mühle bei Mecklar: eines der Bilder aus der aktuellen Ausstellung.

Über 50 Jahre leben der 87-jährige Künstler und seine bald 85-jährige Frau in der Doppelhaushälfte, deren Wände einer Retrospektive gleichen. Auf einer Skizze schaut eine Enkelin gebannt auf etwas, was der Betrachter nicht sieht, gegenüber zeigt eine großformatige Zeichnung drei junge, frech lachende Männer in Hemdsärmeln – ein Frühwerk, gleich nach dem Krieg entstanden. „Ich wollte mal etwas Fröhliches zeichnen nach all den ernsten Soldatenporträts“, sagt Horst Knobel. Denn zeichnen musste er auch auf Befehl – an der Front in Russland. Seinen Vorgesetzten war sein Talent bekannt.

Arm zertrümmert

Aus dem Krieg kam der gebürtige Kasseler versehrt zurück: Sein linker Arm war von einer Panzergranate zertrümmert worden. Für einen Linkshänder, der sich von Kindheit an der Kunst und der Schönheit verschrieben hatte („Meine Mutter war ein Edelblümchen aus Masuren, das mir den Sinn für Schönes mitgegeben hat“) war die Verletzung schlimm. Aber er lernte bald, mit der rechten Hand zu arbeiten. So verdiente Horst Knobel auch weiterhin sein Geld als freischaffender Gestalter in Werbung und Kunst, gestaltete Plakate, richtete Modenschauen aus – und malte.

Immer an seiner Seite: Ehefrau Leni. Das Paar kennt sich aus seiner Kindheit in Kassel. Eher zufällig trafen sich beide 1944 in Spangenberg wieder: Leni war mit ihrer Mutter zur Großmutter gezogen, nachdem die Wohnung in Kassel ausgebombt worden war. Horst Knobel – die Wohnung seiner Familie war ebenfalls zerstört – hatte ein Zimmer in Spangenberg, von wo aus er zur ambulanten Behandlung ins Melsunger Lazarett ging.

„Ich sah sie die Straße entlang kommen. Eine wandelnde Gotik. Rank und schlank, sie bewegte sich wie ein Mannequin“, schwärmt er heute noch, während seine Frau vor Verlegenheit unruhig auf dem Sofa hin- und her rutscht. 1945 heiratete das Paar.

Kleine Komplimente

Dass die Beiden zusammengehören, spürt man beim Besuch: Eher beiläufig streichelt sie sein Gesicht, wenn sie an ihm vorübergeht. Er macht ihr kleine Komplimente. Auch beruflich sind sie ein Team: „Mein Mann hat es nicht so mit Zahlen“, sagt sie, und er nennt sie seinen „Finanzminister“.

Gemeinsam haben sie die große Ausstellung im Rotenburger Museum für zeitgenössische Kunst, Kultur und Karikatur (Muzkkka) erarbeitet. Ein Dreivierteljahr haben sie gebraucht, um aus der Fülle seines Werks Bilder auszuwählen und rahmen zu lassen. Die Arbeit war so anstrengend, dass Leni Knobel darüber erkrankte.

Eigentlich sollte die sehr erfolgreiche Ausstellung 2002 in Monte Carlo die letzte von Horst Knobel sein. Doch noch einmal hat sich das Paar überreden lassen. Auch weil Horst Knobel eine enge Beziehung zu Rotenburg hat – was man an ungezählten Bildern mit Motiven aus dem Städtchen merkt.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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