Förderprogramm für Ausbildungsstellen bislang wenig gefragt

Hauptschüler lassen sich Chance entgehen

Wolfhager Land. Es ist schon verwunderlich: Mit etlichen Radiospots bewirbt das Land Hessen seit Wochen ein Förderprogramm für die Ausbildung von Hauptschülern, doch bislang interessieren sich weder die angesprochenen Schüler noch die Betriebe sonderlich dafür. Für die 750 bezuschussten Ausbildungen, die im Bezirk des Regierungspräsidiums Kassel bis zum 31. März vergeben werden sollen, lägen erst 85 Anträge vor, teilte ein Behördensprecher mit.

Das geringe Interesse am Programm hat offenbar unterschiedliche Gründe. Peter Priller, Lehrer an der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen, geht davon aus, dass viele Hauptschüler nach der neunten Klasse anstelle einer Ausbildung die mittlere Reife anstreben. „Als wir das Programm vorgestellt haben, hatte ich den Eindruck, dass es auf wenig Interesse gestoßen ist“, berichtet Priller.

Das Land übernimmt im ersten Ausbildungsjahr 50 Prozent und im zweiten Jahr 25 Prozent der Vergütung. Vergeben wird das Geld nach dem Windhundsystem: Wer sich zuerst bewirbt, der profitiert.

„Wir haben Sorge, dass uns die Zeit davonläuft“, sagt Altenhof und spricht damit das Auslaufen der Antragsfrist Ende März an. Damit gehe der durch den Zuschuss entstehende Bewerbungsvorteil der Hauptschüler verloren.

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel liegt eines der Probleme in dieser Frist. Damit würden die Betriebe unter Druck gesetzt, schon früh im Jahr Ausbildungsplätze zu schaffen, sagt Dr. Michael Ludwig, stellvertretender Leiter des Bereichs Aus- und Weiterbildung. Gerade kleinere Firmen würden aber erst im Frühjahr über Stellen entscheiden.

Dass die Nachfrage in seinem IHK-Bereich „praktisch Null“ sei, ist für Ludwig ein Indiz dafür, dass für Betriebe zunächst das Bewerberprofil und erst dann finanzielle Überlegungen entscheidend seien. Auch sei die Förderung vielen Firmen unbekannt. ZUM TAGE

Von Bastian Ludwig und Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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