Hauptschwenda

Hessens kältester Ort liegt im Knüllgebirge

Manfred Salm

Neukirchen. Hauptschwenda im Knüll ist Hessens kältester Ort: 2014 lag die Durchschnittstemperatur in dem Neukirchener Stadtteil bei 9,2 Grad.

Noch einen zweiten Rekord fährt das 170-Einwohner-Dörfchen im Knüll ein. Denn obwohl es im Mittel so kalt wie an keinem anderen Ort in Hessen war, ist das der wärmste Jahresdurchschnitt der Hauptschwendaer Messstation des Deutschen Wetterdienstes, der dort je gemessen wurde. Noch vor drei Jahren lag er bei 8,6 Grad, erklärte Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst.

Rekordmarken erreichten auch weitere Wetterstationen im Schwalm-Eder-Kreis. Die Durchschnittstemperatur der Wetterstation am Flughafen in Fritzlar liegt bei 10,4 Grad, die in Gilserberg-Moischeid bei 9,4 Grad. Sie liegen damit im deutschlandweiten Trend. Denn 2014 war das wärmste Jahr in Deutschland seit dem Beginn regelmäßiger Temperaturmessungen.

Der Hochsommer wie auch der tiefe Winter zeigten sich insgesamt selten im Landkreis. Gerade mal an zwei Tagen kletterte im Sommer die Messskala über die 30-Grad-Marke. Der Höchstwert wurde in Hauptschwenda am Pfingstmontag mit 30,2 Grad gemessen. Der heißeste Tag in Fritzlar (31,7 Grad) und Moischeid (31,5 Grad) war der 19. Juli.

Temperaturen wie in den 1950er-Jahren von minus 25 Grad wurden an den drei Messstationen im Landkreis nie wieder erreicht, erklärt Lux. Als kältesten Tag im Jahr 2014 ermittelten die Experten den 28. Dezember mit minus 9,7 Grad in Hauptschwenda.

Für Hessen notierten die Meteorologen 2014 eine Temperatur von 10,3 Grad. Zwar übertraf die Sonnenscheindauer das Soll (1459 Stunden) mit rund 1495 Stunden um zwei Prozent; dennoch war Hessen diesmal das sonnenscheinärmste Bundesland. „Und vom typischen Hochwinter sind wir auch in diesem Januar noch weit weg“, so Meteorologe Lux.

Rund um den Knüll nennt man die Hauptschwendaer auch die „Nebelraben“. Dass es in dem Ort, der circa 500 Meter über dem Meeresspiegel liegt, häufig diesig ist, kann Ortsvorsteher Manfred Salm bestätigen. Aber das mit dem Nebel gleiche sich aus, ist er der Überzeugung: Häufig scheine in Hauptschwenda die Sonne, während es in den Tallagen trübe sei. Dass der Sommer angesichts der Höhenlage kürzer ist als beispielsweise in der Kernstadt Neukirchen, kann er allerdings bestätigen. Häufig stehe die Ernte 14 Tage später an. Die Auszeichnung, im vergangenen Jahr Hessens kältester Ort gewesen zu sein, sieht man in Hauptschwenda ganz gelassen. Mit der entsprechenden Kleidung sei es auszuhalten, sagt Ortsvorsteher Salm.

Das sieht auch Heinrich Kuhn so. „Wir wissen, dass wir nicht in der Wetterau wohnen“, sagt der Landwirt. Im Jahr 1977 übernahm er die Betreuung der Messstation des Deutschen Wetterdiensts. Damals musste er noch drei Mal täglich den Gang zur Wetterstation im Garten antreten. „Er geht Wetter machen“, scherzte man in Hauptschwenda. Inzwischen ist die Messstation des Deutschen Wetterdienst nicht größer als ein Schirmständer. Mit einer direkten Internetverbindung hat sich der Aufwand für Wetterbeobachter Kuhn reduziert. Er muss nur noch die Schneemengen messen und die Fläche rund um die Station sauberhalten. Die Wettermessungen haben Tradition in Hauptschwenda. Bereits 1928 hatte Lehrer Fenner damit begonnen.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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