An der Franz-Gleim-Straße

Haus in Melsungen öffnet zum Tag der Architektur

+
Schmuckstück: Simone Orlik vor dem sanierten Kaffeemühlenhaus in Melsungen. Zum Tag der Architektur ist es für Besucher geöffnet.

Melsungen. Simone Orlik und ihre Familie öffnen am Sonntag ihr Haus für Besucher. Sie sind die einzigen aus dem Landkreis, die beim Tag der Architektur dabei sind.

Die vierköpfige Familie wohnt mit Hund Sam in einem vollständig sanierten Kaffeemühlenhaus in der Franz-Gleim-Straße 27 in Melsungen. Vor drei Jahren bezogen sie nach fast einjährigem Umbau die mehr als 230 Quadratmeter Wohnfläche.

Der Umbau

240.000 Euro flossen in die Sanierung. Die Liste der Veränderungen ist lang: bodenhohe Holzfenster, ein ausgebauter Dachboden, eine Pellet-Heizung, herausgenommene Wände für Blickachsen, freigelegtes Mauerwerk, Dachfenster statt Gauben, der Rückbau des Dachüberstandes und eine komplette Dämmung. Hinzu kommen viele Renovierungsarbeiten wie neue Bäder und Fußböden. „Bei allem haben wir versucht, ökologische Standards einzuhalten“, sagt Simone Orlik. Die 42-Jährige ist PR-Beraterin, ihr Mann Phillip arbeitet bei B. Braun.

Das Ergebnis

Das ehemals als Stadtvilla konzipierte Haus wurde ins 21. Jahrhundert übertragen. Wert hat der Architekt Helmuth Stoffers auf ein reduziertes, klassisches und zeitloses Design gelegt. „Wir wollten ein zeitgemäßes Erscheinungsbild und uns dabei auf wesentliche Formen reduzieren.“ Daher verschwanden Gauben und Dachüberstand. Auch im Innenraum gibt es eine klare Ordnung. Beim Eintreten fällt der Blick durch Diele und Wohnzimmer wieder ins Freie. Der Wohnraum ist erweitert. Vieles - zum Beispiel die Grundrisse der Bäder - sind bewusst erhalten worden.

Feine Details

Die Fassade ist farbig, aber nicht knallig - nur ein kleines Detail, aber ein feines: Die grüne Hausnummer greift die Farbe der Eingangstür auf.

Eine Bestandsimmobilie zu renovieren, sei immer ein Kompromiss, sagt Simone Orlik. Die Familie wollte aber ein urbanes Umfeld. Und wer den fantastischen Blick aus dem Haus über Melsungen sieht, wäre den Kompromiss auch eingegangen.

Tag der Architektur

Architekt Helmut Stoffers hat das Haus für den Tag der Architektur vorgeschlagen. Die Jury des Hessischen Architektenverbandes hat es in das Programm für 2016 aufgenommen.

Das Haus soll zeigen, was mit einer gut konzeptionierten Sanierung alles möglich ist. Wobei gerade bei Bestandsimmobilien eine Sanierung nicht einfach ist. Viele Häuser aus den 1960er bis 80er-Jahren böten schlechte Voraussetzungen. Oftmals seien Zimmer zu klein konzipiert und die Gesamtwohnfläche zu gering. Wenn dann noch Anbauten hinzukämen, müsse der erste Schritt seien, wieder für Ordnung zu sorgen und die architektonische Idee zum Vorschein kommen zu lassen, sofern vorhanden. Familie Orlik suchte länger als eineinhalb Jahre nach dem geeigneten Objekt.

Mit Förderprogrammen und Darlehen für eine energetische Sanierung ließen sich auch größere Umbauten realisieren. Klar sei aber auch, dass eine Sanierung sehr teuer sei und den Kaufpreis übersteigen könne.

Für eine Renovierung von Decken, Böden, Technik und Bad müsse man bereits mit mindestens 50 000 Euro zuzüglich rechnen, erklärt der Melsunger Architekt.

Er empfiehlt einen Energieberater und einen Architekten in die Planung einzubeziehen. 

• Tag der Architektur: Familie Orlik, Franz-Gleim-Straße 27, Sonntag, 26. Juni, von 13 bis 16 Uhr. Stoffers bietet Führungen an, Tel. 05661/9286644

Haus in Melsungen öffnet zum Tag der Architektur

Quelle: HNA

Mehr zum Thema

Kommentare