Eine Praxis ist geschlossen, zwei suchen vergeblich Nachfolger

Hausärzte-Mangel verschärft sich

Wolfhager Land. Im Altkreis Wolfhagen zeichnet sich ein Hausärzte-Mangel ab. In Wolfhagen wurde im vergangenen Jahr eine Praxis geschlossen, weil sich kein Nachfolger fand. Und auch in Habichtswald und Naumburg suchen derzeit Ärzte händeringend nach einem Mediziner, der ihre Praxis weiterführt. Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, denn das Durchschnittsalter der Ärzte im Landkreis Kassel liegt nach Auskunft von Cornelia Kur von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) inzwischen bei 53 Jahren.

Noch gibt es 25 Hausärzte im Altkreis Wolfhagen: acht in Wolfhagen, zwei in Breuna, vier in Habichtswald, fünf in Bad Emstal, vier in Zierenberg und zwei in Naumburg. Insgesamt sind es im Landkreis Kassel 154 Hausärzte. Zwei offene Stellen sind aktuell gemeldet.

„Die Gesetzesgrundlage, nach der offene Stellen berechnet werden, ist allerdings veraltet und geht an der Realität vorbei“, so Kur. Die Zahlen bedeuteten keineswegs eine optimale Versorgung in allen 29 Städten und Gemeinden im Landkreis. Hier und da gebe es regional eine Unter- oder Überversorgung. Dieses Ungleichgewicht soll es künftig nicht mehr geben. Derzeit erfasst die KV für die einzelnen Bezirke Detailinformationen. Die Gründe für den Landarzt-Schwund sind vielfältig. Für den Medizinernachwuchs ist der ländliche Raum nicht besonders attraktiv. „Der klassische Landarzt ist ein Einzelkämpfer, der außer einem langen Arbeitstag auch Notdienste am Abend und in der Nacht bewältigen muss und schlecht bezahlt wird“, sagt Johannes Degen, Arzt in Ehlen. Er nennt Zahlen: Für einen Patienten erhält der Arzt eine einmalige Pauschale von 31 Euro pro Quartal, auch wenn der Kranke in dieser Zeit zehn Mal in die Praxis kommt. Für einen Hausbesuch gibt es pauschal 15 Euro. „Der Schlüsseldienst und ein Handwerker bekommen das Dreifache“, so Degen.

SEITE 2

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Kommentare