Menschen aus der Schwalm berichten

Hefezopf und Ostertaube - Ostern in Georgien und Italien

Kein Osterhase in Italien: Chiara Ravera (11) und Papa Alessandro freuen sich trotzdem auf das Fest, das diesmal in Treysa gefeiert wird. Fotos:  Rose

Treysa. Ludmila Finkbeiner lebt seit 23 Jahren in der Schwalm: „Ein halbes Leben“, sagt die 47-jährige gebürtige Georgierin. In Treysa habe sie ein Zuhause gefunden, aber ihre Heimat sei Georgien.

Sie erinnert sich aus ihrer Kindheit gut an die Bräuche rund ums Osterfest. So wurde etwa in der Nacht vor dem Ostersonntag ein spezieller Kuchen gebacken, der dem italienischen Panettone ähnelt. „Ein Hefeteig mit oder ohne Rosinen“, erklärt sie. Der Kuchen sei stets mit gefärbten Eiern umlegt worden. „Für die Kinder des Hauses wurden Mini-Kuchen gebacken.“

Auch gefärbte Eier gehören in Georgien zur Tradition: „Meist wurden sie mit Zwiebelschalen oder Rote Bete-Saft gefärbt“, erklärt die 47-Jährige. Beliebt war auch ein Hefezopf mit Füllung. „Die Georgier backen mit Vorliebe mit Walnüssen.“ Bestrichen worden sei das fertige Gebäck mit Marillenmarmelade.

Begrüßen und umarmen

Für Ostern gebe es in Georgien eine spezielle Begrüßung. Ankommende Gäste sagten „Christus ist auferstanden“, Gastgeber antworteten „wahrhaftig auferstanden“. Dann habe man sich umarmt.

Als Kinder hätten sie ihre größte Freude an einem Eier-Wettbewerb gehabt, berichtet Ludmilla Finkbeiner. „Wir haben uns getroffen und unser Ei gegen das eines Nachbarkindes geschlagen. Blieb die Schale heil, gewann man das kaputte Ei hinzu.“

Die Treysaerin hat aber auch ein Faible für russische Volkskunst. Seit mehr als 20 Jahren bemalt sie Holzeier und Gebrauchsgegenstände in der Technik der Chochloma-Kunst. Die Motive stammen aus der Tier- und

Chochloma-Kunst: Ludmila Finkbeiner bemalt Holzeier in russischer Technik.

Pflanzenwelt. Das Besondere an der kunstvollen Verzierung ist die Technik. Auf das Holz werden nicht nur Farben aufgebracht, sondern auch eine Tonschicht, die im Ofen aushärtet, außerdem ein Harzlack und Zinkpulver.

Kräftig gefeiert wird Ostern auch in Italien. Jedoch hat dort keiner je etwas vom Osterhasen gehört: „Dass Hasen Eier verstecken, war mir völlig neu“, sagt der Wahl-Treysaer Alessandro Ravera, der aus der Nähe von Venedig stammt. Wert werde allerdings auf den Brauch des Ostereis gelegt. In Italien würden große die Eier aus Schokolade verschenkt. „Darin findet der Beschenkte weitere Süßigkeiten“, erklärt Ravera.

Kuchen in Form einer Taube

In vielen Familien werde außerdem ein Kuchen – der Colomba pasquale heißt – gebacken. „Der ist ähnlich wie ein Panettone, aber in Form einer Taube“, erzählt der Treysaer. Ostermontag sei traditionell der Tag, wo Italiener Freunde treffen – am liebsten bei einem Picknick. „Dabei werden die Ostereier auch gern in Bäume gehängt“, sagt Ravera. Töchterchen Chiara (11) freut sich schon: „In Deutschland kommt ja auch der Osterhase.“

Quelle: HNA

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