Heike von Othegraven sucht Mitstreiter für eine Wohngemeinschaft in Viesebeck

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Hereinspaziert: Heike von Othegraven wohnt seit 30 Jahren in ihrem Viesebecker Haus. Nach dem Auszug ihrer Tochter ist ihr und ihrem Mann Edgar das Haus zu groß. Daher sucht sie Mitbewohner.

Wolfhagen. Nein, der Begriff Alten-WG ist nicht der richtige für Heike von Othegravens Plan. „Das hört sich ja schrecklich an“, sagt sie auf ihrem Balkon in Viesebeck. „Das klingt nach tüddelig.“ Und darum gehe es ihr ja nicht.

Es geht darum, Mitstreiter für ihre Idee zu suchen. Mitstreiter mit der Liebe zum Landleben. Mitstreiter, die mit ihr und ihrem Mann Edgar im 1786 erbauten Haus leben möchten.

Separate Wohnung, drei Zimmer, Küche, Bad. Erster Stock, 85 Quadratmeter. Drum herum drei Hektar Land, drei Pferde, zwei Hunde, zwei Katzen und vier Hühner. Das sind die Fakten. Doch es geht der 65-Jährigen um mehr als nüchterne Zahlen. Die Idee, eine Wohngemeinschaft zu gründen, treibt die Hausherrin seit drei Jahren um. „Seitdem ich mein Alter regeln will“, erklärt von Orthegraven.

Und da waren die Gedankenspiele. Wie soll es mit dem Haus weitergehen? Verkaufen? Behalten? Zu zweit leben oder doch einen Mieter suchen? Seitdem die Tochter ausgezogen ist, überlegt von Othegraven. Die Viesebeckerin entscheidet sich für die Mietersuche. „Ich möchte im Alter nicht alleine leben. Solange ich fit und gesund bin, möchte ich mit anderen zusammenwohnen“, betont sie. Und eines will sie auch nicht: „Einfach so vermieten.“ Es geht ihr um das Miteinander, etwas gemeinsam unternehmen, gemeinsam mobil sein. „Und wenn einer der Mieter einen Grünen Daumen hat, wäre das toll“, sagt sie mit einem Lachen. „Es sollten Menschen sein, die sich einbringen und sich nicht an einen Tisch setzen und bedienen lassen“, sagt von Othegraven.

Seit einem Vierteljahr ist sie auf Mietersuche - bislang ohne Erfolg. Vereinzelt melden sich Interessenten. „Aber am Ende zaudern sie doch. Ich verstehe nicht, warum es hier nicht klappt“, berichtet von Othegraven. Dabei ist sie sicher: „Viele Menschen haben Sehnsucht nach der Natur. Und viele möchten nicht alleine leben.“ Denn: „Alte Leute und alleine sein, das taugt nicht“. Viesebeck sei für ihr Vorhaben ideal. Die Bevölkerung sei freundlich, die Gemeinschaft toll, alles super gepflegt, kein Verfall.

Die Wohngemeinschaft soll nur der Anfang sein. In von Othengravens Kopf schwirrt eine viel größere Idee: „Wir könnten die Leerstände nutzen und eine Gemeinschaft über das ganze Dorf aufbauen“, erklärt sie ihren großen Wunsch. Jung und Alt zusammen. „Die Jungen müssen das Rad nicht neu erfinden, sie können von den Alten lernen.“

Der Mensch suche nämlich die Gemeinschaft. „Das kann man in einem Dorf super realisieren.“ Jeder würde sich einbringen: Kochen, putzen, Kinder aufpassen: Alles geschehe in dieser Gemeinschaft. Doch das sind im Moment noch Träumereien. Denn Heike von Othegraven weiß: „Dafür muss ich erst einmal die Leute finden.“

Quelle: HNA

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