Heikler Punkt ist vertagt

Bündnisgrüne ziehen Antrag auf Umbenennung der Heinrich-Klimmer-Straße zurück

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Umstritten: Heinrich Klimmer als Namensgeber für eine Guxhagener Straße.

Guxhagen. Die Bündnisgrünen in der Guxhagener Gemeindevertretung haben einen Antrag auf Umbenennung der Heinrich-Klimmer-Straße zurückgezogen. Die Namensgebung sei nach wie vor bedrückend, sagte dazu am Montagabend Fraktionschef Rolf Peter Ligniez von den Grünen im Parlament.

Man wolle aber eine breite Mehrheit hinter dem Antrag versammeln und dafür Zeit haben.

In der Sache wollen die Bündnisgrünen noch in dieser Legislaturperiode vorankommen, teilte Ligniez auf Nachfrage zum Zeithorizont für den Antrag mit. Im Parlament müssten mitunter dicke Bretter gebohrt werden - die Straßenumbenennung scheine so ein Punkt zu sein.

Die Bündnisgrünen hatten bereits im Vorfeld der Sitzung auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Zur Begründung hatte es geheißen: Heinrich Klimmer sei als Leiter der Anstalt Breitenau verantwortlich gewesen für die Entrechtung und Qual der Inhaftierten. Das sei wahrlich kein Grund, ihn mit der Benennung einer Straße zu ehren.

Das Thema hatten die Bündnisgrünen bereits vor elf Jahren auf ihrer Agenda. Damals hatten sich Politiker und Anwohner mit der Namensgebung auseinandergesetzt, von der es seinerzeit hieß, niemand wisse mehr so genau, wer sie veranlasste - auch Bürgermeister Edgar Slawik wustte gestern über die Umstände der Namensgebung nichts Näheres zu berichten.

„Klimmer, der bereits im November 1932 in die NSDAP eintrat, war seit Oktober 1933 in Breitenau zunächst als Vorsteher und seit 1936 als Direktor der Landesarbeitsanstalt tätig“, heißt es in einem Beitrag zum nationalsozialistischen Lagersystem von Dr. Gunnar Richter.

Der Leiter der Gedenkstätte Breitenau hatte 1998 darauf hingewiesen, Klimmers Aufgabe habe in Guxhagen darin bestanden, die Häftlinge zu bestrafen und hart arbeiten zu lassen. Zu den Häftlingen unter seiner Aufsicht gehörten Bettler, Landstreicher, Prostituierte und Fürsorgezöglinge - sie sollen der kollektiven Erinnerung nach unter anderem den Sportplatz gebaut haben. (lgr)

Quelle: HNA

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