Sie machen Mist zu Strom

Heiko und Andreas Köhler erzeugen Elektrizität und Nahwärme per Biogas

Im Hintergrund entsteht Strom für 900 Haushalte: Heiko (links) und Andreas Köhler vor ihrer Biogas-Anlage in Haarhausen.

Haarhausen. Die Mitarbeiter von Heiko und Andreas Köhler lassen sich nicht zählen. Sie sind unermüdlich im Einsatz für die Energiewende, verlangen nicht einen Cent dafür, haben es aber gerne warm. Bei den Mitarbeitern handelt es sich nicht um Menschen, sondern um Bakterien.

Sie sorgen in der Biogasanlage in Haarhausen dafür, dass aus Mais, Gülle, Mist und anderen Naturstoffen Strom wird. Die Wärme, die dabei entsteht, ist eigentlich ein Nebenprodukt, sorgt aber dafür, dass es in neun Haushalten in Haarhausen, fünf Wohnhäusern in Nassenerfurth und der Metzgerei Kramer warm ist.

Noch mehr Gas herausholen

Andreas Köhler, der Landwirtschaft studiert hat, und sein Bruder Heiko sind Betreiber der Anlage. 2010 begann der Bau am Dorfrand, im Jahr 2011 lief sie durchgehend, doch die Überlegungen für eine Erweiterung waren immer da. Und so wurde 2012 aus dem offenen Endlager ein Nachgärer.

In dem Lager wurde zuvor das aufgehoben, was nach der Verarbeitung übrig war, ein Substrat. Doch auch darin steckte noch Gas, das nun im gasdicht abgeschlossenen Nachgärer von besagten Mitarbeitern herausgeholt wird.

Widerstand gegen die Anlage – wie andernorts – gab es in Haarhausen nicht, sagt Andreas Köhler, Man habe die Anwohner einbezogen: „Als erstes haben wir unser Projekt im Dorf vorgestellt.“

So habe es keine negativen Stimmen gegeben, vielmehr sei die Nachfrage nach Nahwärme gut. Nicht zuletzt könnten die Haushalte Geld sparen, die Wärme sei rund 30 Prozent günstiger als Heizöl.

Von Geruchsbelästigung könne auch keine Rede sein; die gesetzlichen Vorgaben unterschreite die Anlage deutlich.

Der Aufwand für die Biogasanlage – das Investitonsvolumen beziffern sie auf 2,5 Millionen Euro – sei hoch, sagen die Köhlers. Ein Großteil der Arbeit passiert am Schreibtisch. Genehmigungen, Berechnungen und eine umfangreiche Dokumentation gehören zu den Aufgaben. So kommt beispielsweise einmal im Jahr ein Umweltgutachter.

Über die vielen Auflagen sagt Andreas Köhler: „Man hat manchmal den Eindruck, man betreibt ein Atomkraftwerk.“ Der Strom aus dem Biogas reicht nach Köhlers Angaben für 900 Haushalte.

Wärme trocknet Getreide

Und die beiden Haarhäuser planen schon wieder Neues: Sie denken über eine Trocknungsanlage für Getreide, Holzschnitzel und ähnliches nach. Das was sie mit der Anlage tun, sei Pionierarbeit, findet Andreas Köhler und ergänzt : „Wir glauben schon, es richtig gemacht zu haben.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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