Für Britta Hartmann-Barth ist die Breunaer Gerichtseiche mehr als ein markanter Baum

Wo die Heimat beginnt

Platz zum Innehalten: Für Britta Hartmann Barth ist die Breunaer Gerichtseiche der Lieblingsort im Naturpark Habichtswald. Oft sucht sie den mächtigen Baum auf, um dort Ruhe zu tanken, kurz zu entspannen vom hektischen Alltag. Immer dabei: Jagd- und Familienhund Watz. Foto: bic

Breuna. Der mächtige Baum mit ausladender Krone sticht heraus aus der sonst unspektakulären Umgebung der Wiesen und Felder nahe Breuna, links der Straße nach Volkmarsen im sanft abschüssigen Gelände. Für Britta Hartmann-Barth ist die Breunaer Gerichtseiche aber mehr als ein markanter Punkt in der Landschaft: „Hier beginnt für mich die Heimat.“

Das Gefühl, zuhause angekommen zu sein, hat die 41-Jährige, wann immer sie aus Richtung Volkmarsen ihren Wohnort Breuna ansteuert. Auch bei Fahrten über die Autobahn suche der Blick von der Talbrücke immer den riesigen Laubbaum: „Hier ist Heimat.“

Dieses Empfinden teile sie bestimmt mit vielen Breunaern, ist sich die passionierte Forstwirtin sicher. Und auch früher diente die über 300 Jahre alte Eiche den Menschen wohl als Orientierungspunkt: Breunaer, die von Volkmarsen zurück kamen – zu Fuß oder mit Pferdewagen – wussten, dass sie den langen Weg nach Hause bald geschafft hatten.

Ob unter der Eiche einst tatsächlich Gericht gehalten wurde, sei nicht gesichert überliefert, so Britta Hartmann-Barth. „Um solch einen Baum ranken sich immer viele Mythen und Geschichten.“ Doch ob Gerichtsstätte oder Gemarkungsmarkierung sei eigentlich egal, die Eiche mit ihrem dicken Stamm mit sechs Metern Umfang, der sich oben gabelt, und der stattlichen Höhe von gut 16 Metern, sei ein Zeitzeuge und ein Symbol für Langlebigkeit und Beständigkeit in sich schnell ändernder Umgebung.

Einst ein stiller Ort, ist der Ruheplatz an der Gerichtseiche heute verkehrsumtost – Landesstraße und Autobahnbrücke legen einen Lärmteppich über die Idylle. Doch Britta Hartmann-Barth findet unter dem sommerlich dichten Blätterdach trotzdem Ruhe und Entspannung: „Den Lärm nimmt man schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr wahr.“

Was sie immer wieder wundert, ist, dass sie an ihrem Lieblingsort im Naturpark Habichtswald selten jemanden trifft, obwohl das Naturdenkmal auf guten Wegen bequem von Breuna aus bei einem Spaziergang zu erreichen ist. „Da kann man schnell mal hin und Ruhe tanken.“

Und das wird auch Jahrhunderte lang noch so sein, denn die Breunaer Gerichtseiche, die auf kargem Boden wurzelt – in unmittelbarer Nähe gab es früher einen Kalksteinbruch –, hat noch gut 200 bis 250 Jahre vor sich. Eichen zählen ohnehin zu den langlebigsten Laubbaumarten in Mitteleuropa – und „diese hier ist kerngesund“.

Wenn der Alte Riese, der trotz seines alles überragenden Wuchses noch nie von von einem Blitz getroffen wurde, einmal das Zeitliche segnet, ist für Nachkommen gesorgt. Nahe des Standorts der Breunaer Gerichtseiche wurden im Rahmen des Projekts „Junge Riesen“ drei Abkömmlinge gepflanzt.

Von Cornelia Lehmann

Quelle: HNA

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