Vom Heimat- und Geschichtsverein

Broschüre zum Mahnmal von Steinmetz Lippe in Bad Emstal

Nichts Heldenhaftes: Die Skulptur des Naumburger Steinbildhauers Lippe aus den frühen 1920er-Jahren zeigt einen sterbenden Soldaten, dem sein Kamerad beisteht. Foto:  Norbert Müller

Bad Emstal. Zwei lebensgroße Soldaten in Stein gehauen. Der eine kniend neben seinem sterbenden Kameraden. Er steht ihm in dessen letzter Stunde bei, hält ihm die Hand.

Das Ehrenmal in Sand neben der Kirche gehört zu den beeindruckendsten in der Region. Jetzt hat ihm der Kultur- und Geschichtsverein Bad Emstal eine kleine Broschüre gewidmet.

2014, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs lag genau 100 Jahre zurück, widmete sich eine vom Heimat- und Geschichtsverein Bad Emstal gegründete Arbeitsgruppe der Erforschung des Ehrenmals. Ihr gehörten Bad Emstals früherer Bürgermeister Eckhard Bräutigam, Oberst a.D. Jürgen Damm, der sich bereits für den Eco-Pfad Friedenpädagogik in Bad Emstal stark engagiert hatte, und der pensionierte Lehrer und Gründer des Heimat- und Geschichtsvereins Peter Buttler an. Buttler verstarb Anfang 2016, kurz vor Fertigstellung des Heftchens.

„Es lief alles ins Leere.“ 

Es war ein hartes Stück Arbeit, Informationen über die Geschichte der Steinmetzarbeit zusammenzutragen. Denn das Trio musste schnell feststellen: Es gab so gut wie keine Informationen. Im Archiv der Gemeinde: Fehlanzeige. In einem Bildband des Sander Heimatforschers Heinrich Wendel stießen die drei Geschichtsdetektive auf zwei Fotos von der Einweihung des Ehrenmals. Danach sollte die Zeremonie im Jahr 1920 stattgefunden haben. Aber weder im Wolfhager Kreisblatt noch im Archiv der Kirchengemeinde fanden sich dazu irgendwelche Hinweise.

Heftige Kritik 

Trauriger Anlass: Mit den Angehörigen der gefallenen Soldaten aus Sand wurde am Tag der Einweihung des Ehrenmals ein gesondertes Foto aufgenommen.

Man habe dann, so Jürgen Damm, die Suche auf die beiden Folgejahre ausgeweitet, dann auch auf 1923. Damm: „Es lief alles ins Leere.“ Statt dessen stieß man auf ein Schreiben des Regierungspräsidiums vom Juni 1921. Darin wurde die gängige Praxis bei der Aufstellung von Kriegerdenkmälern heftig kritisiert. Empfohlen wurde ein schlichter rechteckiger Stein mit aufgesetzter Krone, die Namen der Gefallenen eingemeißelt. Den Bad Emstalern war das offensichtlich nicht angemessen. Sie entschieden sich für eine Darstellung, die noch heute das Elend, das Sterben der Soldaten, zeigt.

Offene Fragen 

Aber wer hatte das Ehrenmal in Auftrag gegeben, was hat es gekostet, wer hat es bezahlt? Fragen, die bis heute offen sind, sagt Hartwin Neumann, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins.

Allerdings kam man dank des Einsatzes von Pfarrerin Dr. Gisela Natt

doch noch ein Stück weiter. Im Archiv der Kirchengemeinde stöberte sie das Programm der Einweihungsfeier auf, die am 17. September 1922 stattfand. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde das Ehrenmal durch den Erbauer, Bildhauermeister Lippe aus Naumburg, enthüllt.

Am alten Standort 

Das Ehrenmal befindet sich noch heute an seinem ursprünglichen Standort. 1999/2000 wurde es auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins restauriert, Metalltafeln mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege seitlich aufgestellt.

„Das Ehrenmal Sand“, 1. Auflage 100 Exemplare, 3,50 Euro, ist erhältlich in Bad Emstal im Klostermuseum Merxhausen und in Sand bei Schreibwaren Schmidt sowie bei Foto Schwarz.

Quelle: HNA

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