Heimatverein steht vor der Auflösung

Spangenberger als Schauspieler: Das Gruppenfoto entstand bei der Festspielaufführung des literarischen Sage „Kuno und Else“ im Jahr 1959. Repro: HNA

Spangenberg. Der Heimatverein wurde 1898 gegründet und steht vor der Auflösung - wenn sich keine neuen, jüngeren Mitglieder finden. Denn das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 75 Jahren, und der Vorsitzende ist 84 Jahre alt.

Einer der ältesten Spangenberger Vereine könnte bald Geschichte sein. Nach 28 Jahren will der Vorsitzende Ulrich Söchting, 84, sein Amt in jüngere Hände geben. Ein Nachfolger ist aber nicht in Sicht. Das ist nur eines der Probleme des Vereins.

? Warum steht der Heimatverein eventuell vor der Auflösung?

! Der Verein hat zwar 106 Mitglieder, das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt jedoch bei 75 Jahren. Das macht sich auch beim Vorstand bemerkbar - drei Beispiele: Der Vorsitzende ist 84, die Schriftführerin 81, die Schatzmeisterin 73. In der nächsten Jahreshauptversammlung im Februar 2017 stehen Vorstandswahlen an. Vorsitzender Ulrich Söchting will sich nach 28 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Er wird dann 85 Jahre alt sein und sucht nun händeringend nach einem Nachfolger. Mögliche Kandidaten im Verein seien jedoch in seiner Altersklasse, sagt Söchting.

? Was bietet der Heimatverein?

! Ein Schwerpunkt ist das gemeinsame Wandern sowie Streckenwanderungen. Zudem gibt es mehrtägige Studienfahrten, zuletzt vor drei Wochen in die Pfalz. Im Winterhalbjahr werden geschichtliche und naturwissenschaftliche Vorträge von teilweise überregionalen Referenten angeboten. Seit 2009 gibt es unter dem Dach des Heimatvereins die Sparte Gewandmanufaktur, bei der die Mitglieder das Nähen historischer Kleidung sowie das Spinnen von Wolle lernen können. Zudem kümmert sich der Heimatverein um das Aufstellen und die Pflege der Ruhebänke rund um Spangenberg. Seit die Stadt unterm Rettungsschirm steht, also seit 2013, hat der Heimatverein die Regie über das Heimatmuseum auf dem Burgsitz-Gelände übernommen.

? Was ist das Problem des Heimatvereins?

! „Der Begriff Heimat ist mega out“, sagt Vorstandsmitglied Fides Baumgart. Es klinge für Jüngere altbacken. Baumgart schlägt stattdessen den Begriff „Regionale Identität“ vor, mit der sich sicherlich auch viele jüngere Spangenberger identifizieren könnten.

? Welche Bedeutung hat der Heimatverein für die Stadt?

!Nach Angaben von Vorstandsmitglied Fides Baumgart wäre der Wiederaufbau des Schlosses in der Nachkriegszeit ohne den Heimatverein nicht möglich gewesen, denn der Verein hatte alle Spangenberger zur tatkräftigen Mithilfe animiert. Unvergessen sind auch die vielen Aufführungen der Liebenbach-Sage „Kuno und Else“ - die erste war 1909 anlässlich der 600-Jahr-Feier zur Wiederverleihung der Stadtrechte, die letzte 2009 zur 700-Jahr-Feier. Damals liefen viele Spangenberger gewandet durch die Stadt und trugen so zu einem besonderen Flair des Fests bei - dank der fleißigen Näherinnen der Gewandmanufaktur.

? Was könnte den Verein retten?

Der Verein braucht neue, jüngere Mitglieder. Und die können nur durch ein modernes Konzept gewonnen werden - Wanderungen und Diavorträge sind dafür zu wenig. Schloss, Burgsitz, Architektur, Industriekultur - die Stadt atmet Geschichte. Und die kann von einem zeitgemäßen Heimatverein frisch und modern aufbereitet werden.

Der Vorstand hofft auf Unterstützung der Spangenberger und ruft zu einer Ideenbörse auf. Eine Idee könnte die Übernahme von Patenschaften zur Pflege der vielen Wanderbänke in der Umgebung sein.

Quelle: HNA

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