Das Ehrenamts-Gen im Blut

Heinz Schembier ist seit 40 Jahren ein kraftvoller Motor in der Arbeiterwohlfahrt

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Bietet Beratung für Menschen in Not an: Der frühere Sozialamtsleiter Heinz Schembier (74) aus Ziegenhain engagiert sich seit vier Jahrzehnten bei der Awo.

Ziegenhain. Heinz Schembier hat das Ehrenamts-Gen. "In unserer Familie ist das weit verbreitet", sagt der Ziegenhainer. Der Verwaltungsoberrat und frühere Sozialamtsleiter erklärt: "Die Gesellschaft hat mir vieles ermöglicht. Davon möchte ich etwas an sie zurückgeben." Die Liste seiner Ehrenämter ist lang. Ebenso die der Ehrungen.

Zuletzt wurde Heinz Schembier mit der Goldenen Ehrennadel der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. Seit 18 Jahren gehört er dem Vorstand an, von 2008 bis 2014 war der Ziegenhainer Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Schwalmstadt. Bis heute ist Schembier Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes.

Den Kontakt zur Awo hat er 1972 als damaliger Jugendamtsleiter in Ziegenhain gesucht. "Ich wollte Familienerholung anbieten und brauchte die Unterstützung einer Organisation." Ab 1988, als Schembier Sozialamtsleiter wurde, entstanden viele Angebote in Zusammenarbeit mit dem Verein. "Wir konnten im Kreis die einzige Schuldnerberatung Deutschlands gründen, bei deren Finanzierung auch Banken behilflich waren." Die Schwangerschaftskonfliktberatung sei in die Trägerschaft der Awo übergegangen, ebenso das Frauenhaus. Der Kreisverband wurde professionell aufgebaut.

Seit seiner Pensionierung engagiert sich Schembier vor allem im Sozialrechtsbereich: Mitte der 90er-Jahre begann er damit, Beratung für Hilfeempfänger im Hospital anzubieten. Der Raum war jedoch nicht ausreichend ausgestattet, so dass Schembier sich zu Hause in Ziegenhain ein Büro einrichtete. Der gelernte Rechtspfleger berät Menschen in Notsituationen, überwiegend HartzIV-Empfänger. Seine Motivation? "Ich mache das für mich. Ich bleibe geistig rege und natürlich bekomme ich Dankbarkeit zurück", sagt Schembier.

Die Beratung laufe aber mit Wissen und Wollen des Jobcenters, "ich erkläre den Mitarbeitern immer, dass ich nicht ihr Gegner, sondern ihr Partner bin ich will, dass sie ihre Arbeit richtig machen." Es habe eine Beratung zugunsten der Menschen statt zu finden, ist der 74-Jährige überzeugt.

Häufig seien es Bescheide, die Hilfeempfänger nicht verstünden, auch das Ausfüllen der Anträge stelle eine Hürde dar. Heinz Schembier macht "den Schreibkram", telefoniert, begleitet zu Behörden. Ehrenamtlich. Und auf eigene Kosten. Etabliert hat der Ziegenhainer die regelmäßigen Frühstückstreffen im Haus für Gemeinschaftspflege. Sozial Benachteiligte sind nicht nur zum Frühstück eingeladen, immer informiert auch ein Experte über aktuelle Themen wie Wohngeld, Niedriglöhne oder Wege aus der Schuldenfalle. "Die Veranstaltungsreihe ist ungemein wichtig und immer gut besucht. Sie informiert, pflegt Gemeinschaft und soll dafür sorgen, dass sich die Menschen nicht ausgegrenzt fühlen."

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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