Helden mit Kartoffelkopf: Internationales Figurentheaterfestival im Kloster Haydau hat begonnen

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Schwarzer Humor: Detlef Heinrichen inszenierte mit wenigen Kulissen eine fesselnde Geschichte über Gutmenschen und die, die versuchen ihre Sünden zu überstehen. Fotos: Schmidt

Morschen. Wenn eine Geschichte ohne Worte erzählt wird und aus Haushaltsgegenständen und Kartoffeln Ritter, Prinzessinnen und Drachen werden, dann ist man beim internationalen Figurentheaterfestival im Kloster Haydau angekommen.

Schon zum zweiten Mal treffen sich dort internationale Künstler, um ihrem Publikum die Welt der kleinen Kunst mit großer Wirkung zu präsentieren.

„Das Besondere am Figurentheater ist, dass alles möglich ist. Wenn man gut ist, kann man aus einem einfachen Blatt Papier ohne viel Aufwand einen fliegenden Vogel machen“, sagte Marianne Schoppan, Gründerin des Puppentheaters Schoppan aus Kassel.

Sie selbst tritt nicht als Künstlerin auf, wollte jedoch gern schauen, was ihre Kollegen für den Eröffnungsabend des Festivals geplant hatten: „In der Umgebung hat man nur selten die Chance, sich Figurentheater für Erwachsene anzuschauen, daher freue ich mich sehr, dass das Festival auch dieses Jahr stattfindet“, sagte Schoppan.

Die Kartoffelkomödie von Hendrikje Winter und Max Schaetzke und die schwarze Komödie „Adams Äpfel“ von Detlef Heinichen waren am ersten von vier Festival-Tagen zu sehen. Mit einfachen Mitteln wie Handschuhen, Kartoffeln und Schneebesen entführten die Spieler des Krokodiltheaters ihr Publikum in die Zeit der Ritter und Drachen und brauchten nicht einmal Worte, um die Geschichte zu erzählen. Es reichten Gesten der Hände und Kazoos, um die Melodiestimmen der Figuren darzustellen.

„Was die Künstler auf die Beine stellen, ist fesselnd und bewundernswert.“

In seiner Inszenierung von „Adams Äpfel“ nach dem gleichnamigen Kinofilm drang Detlef Heinichen tiefer in die Psyche der Menschen ein. Verlorene Seelen trafen auf den gottgläubigen Gutmenschen Ivan, der seinen schlimmsten Fall, den Skinhead Adam, nur durch Eingestehen seiner eigenen Verzweiflung zum Guten führen konnte. Mit düsteren Figuren und multifunktionalem Equipment verarbeitete Heinichen den skurrilen Stoff. „Ich habe vor einigen Jahren den Regisseur des Films kennengelernt, leider konnte er diese Inszenierung noch nicht sehen und auf Video kommt selten die Stimmung des Spieles an“, sagte Heinichen.

Unter den Zuschauern war Paul Heinrich aus Kassel und seine Familie. „Anfangs waren meine Töchter nicht sonderlich begeistert, ins Puppentheater zu gehen“, sagte Heinrich. Doch das änderte sich schnell. „Das Stück war wirklich faszinierend“, sagte die 13-Jährige Beatrice Heinrich. Und auch ihre Schwester Isabelle (8) war begeistert. Die Familie wollte nicht nach Hause gehen, ehe Heinichen ihr einige Fragen zu den Puppen beantwortet hatte. „Es lohnt sich wirklich sehr, das Festival zu besuchen. Was die Künstler auf die Beine stellen, ist fesselnd und bewundernswert“, sagte Heinrich.

Von Natalie Schmidt

Quelle: HNA

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