Schulprojekt zum Attentat auf Hitler: Von Helden und Tätern

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Eine Frau des Widerstandes: Hedwig Zuschlag (vorne rechts) war Lehrerin an der THS in Homberg. Das Bild stellte das Schulmuseum der THS zur Verfügung.

Homberg. Die AG „Schule ohne Rassismus" der Theodor-Heuss-Schule (THS) unter der Leitung von Thomas Schattner und Schülerinnen der Erich-Kästner-Schule, die von Gunnar Krosky betreut werden, laden für Sonntag, 20. Juli, ab 19 Uhr in die Aula der THS ein.

Erstmals kooperieren so zwei Homberger Schulen bei einem historischen Thema. Anlass der Film- und Vortragsveranstaltung ist der Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in der Wolfsschanze. Die Schüler werden zunächst einige Widerstandskämpfer und Gruppierungen des Widerstandes aus der NS-Zeit vorstellen. Anschließend geht es um die Männer des 20. Juli. Den Schwerpunkt hierbei bilden Beteiligte aus unserer Umgebung. Menschen, die aktiv gegen das nationalsozialistische Regime Widerstand geleistet haben. Abschließend wird thematisiert, inwieweit Widerstand heute noch relevant sein kann.

Menschen aus Homberg 

Man kann aber den Widerstand gegen das NS-Regime nicht nur auf den 20. Juli reduzieren. Auch vor Ort gab es mutige Männer und Frauen. So auch in Homberg.

Johannes Zenker wurde am 1899 in Halle geboren. Zenker zog später mit seiner Familie nach Homberg, um als Studienrat und später als Oberstudienrat tätig zu werden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand er Gleichgesinnte, die sich nicht mit dem NS-Regime arrangieren wollten. Eine davon war die spätere Kollegin Hedwig Zuschlag. Es entstand eine Freundschaft und auch ein gemeinsames Ziel, die Politik des Dritten Reiches zu kritisieren. Zenker schloss sich vielen Organisationen an, so dem Republikanischem Lehrerbund. Dort kämpfte er für eine antifaschistische Einheit der Arbeitenden und der Restbevölkerung. Zenker ahnte noch nicht, dass dieser kühne Widerstand sein Leben durcheinander bringen wird.

Während der NS-Zeit kehrte Zenker aus England nach Deutschland zurück und leistete dort weiteren Widerstand. Das hatte zu Folge, dass er in Homberg inhaftiert wurde und 1933 ins wilde Konzentrationslager - es bestand ein Wochenende im Sommer im Karlshof - nach Wabern kam. Danach landete er im Polizeigefängnis.

Lehrerin war im Widerstand 

Hedwig Zuschlag, später Lehrerin an der THS, war als junge Frau ebenfalls im Widerstand gegen den Nationalsozialismus tätig. In Berlin versorgte sie untergetauchte jüdische Bürger mit Lebensmitteln einer schwedischen Untergrundorganisation.

Aber es gab auch andere Kollegen: Am 21. April 1952 kam ein Mann als Lehrer nach Homberg an die August-Vilmar-Schule, der im NS-Staat Karriere gemacht hatte. Unter Heinrich Himmler, dem Chef der SS, leitete er das Kirchenreferat der „Sonderkommission 20. Juli 1944“, welches nach dem gescheiterten Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg gegen Adolf Hitler eingerichtet worden war.

Als solcher folterte und misshandelte er mitunter nicht nur Angehörige des Kreisauer Kreises, eines kirchlichen Widerstandskreises, der mit den Männern des 20. Juli kooperierte, er praktizierte sogar enorm die „Sippenhaft“ in diesem Kontext.

Neuhaus wurde 1952 enttarnt, als das 1947 erschienene Buch „Im finsteren Tal“ des Oberlandeskirchenrats von Hannover, Dr. Hans Lilje, ins Bewusstsein geriet. Zuvor unterrichtete er in Offenbach und in Homberg ausgerechnet Politik (damals Politischer Unterricht genannt). „Eines Tages war er verschwunden, und es hieß anfangs, er sei versetzt worden, aber nach einiger Zeit wurde bekannt, dass er wegen seiner Nazi-Vergangenheit aus dem Schuldienst entfernt worden sei“, so Rudolf Heider, ein ehemaliger Schüler, der 1954 das Abitur in Homberg abgelegt hat, rückblickend.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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