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Patenschaftsverein Siebenbürgen legte in fast 25 Jahren 224.000 Kilometer zurück

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Freuten sich über neue Schulranzen: Schülerinnen einer Klasse in Großpold (Apoldu de Sus) in Siebenbürgen.

Neuental. Selbst für eine professionelle Hilfsorganisation wäre diese Bilanz außergewöhnlich: 56 Mal ist der Neuentaler Patenschaftsverein für Siebenbürgen nach Rumänien gefahren, um Lebensmittel und Sachspenden in eine der ärmsten Regionen Europas zu bringen.

Die Strecke der zurückgelegten Fahrten summieren sich auf 224 000 Kilometer, was rein rechnerisch reicht, um fünfeinhalb Mal die Erde zu umrunden.

„Es ist enorm, was die Mitglieder leisten“, sagt der frühere Neuentaler Bürgermeister Otto Döhrn, der seit Gründung des Vereins (1990) an dessen Spitze steht und jetzt in der Jahreshauptversammlung wiedergewählt wurde.

Stamm von 20 Helfern

Der Stamm der Helfer sei nicht größer als etwa 20 Leute. Einige von ihnen seien jeden Tag in Sachen Rumänienhilfe aktiv. Eine Frauengruppe sortiere beispielsweise den ganzen Winter über die Kleiderspenden.

Mit der Unterstützung der drei Dörfer Hamlesch (Amnas), Braller (Bruiu) und Michelsberg (Cisnadioara), in denen überwiegend deutschstämmige Menschen leben, hatte der Patenschaftsverein begonnen. Diese Orte seien inzwischen fast menschenleer, die Neuentaler haben ihre Hilfe längst auf die gesamte Region ausgedehnt, auf Schulen, Krankenhäuser und Altenheime.

„Wir lindern noch immer Not. Die Menschen sind uns zugeneigt, sind glücklich und zufrieden über unsere Hilfe“, sagte Otto Döhrn in der Jahreshauptversammlung.

Einen Großteil der Hilfsgüter habe im vergangenen Jahr das Krankenhaus in Mühlbach bekommen, berichtete der Vorsitzende: Betten, Babywannen, Krankenliegen, Matratzen, Bettwäsche, Rollstühle, Rollatoren, Defibrillatoren, EKG-Gerät, Schränke, Stühle, Tische und Bettwäsche. In Freck (Avrig), Großpold (Apoldu de Sus) und Kerz (Cârta) seien die Schulranzen der größere Renner gewesen. Eine Familie, die Waisenkinder aufgenommen hat, erhielt einen Tisch und Stühle für zwölf Personen, an denen nun alle Platz haben.

Otto Döhrn

Die Hilfsgüter stammen nicht mehr nur aus der Region. „Überall, wo ich bin, spreche ich die Leute an“, sagt der 69-Jährige. Und auf Grund einer Erkrankung habe er auch viel Zeit in Krankenhäusern und Kureinrichtungen verbringen müssen. Von einer Kurklinik am Chiemsee, die neu ausgestattet werden sollte, habe er eine großzügig Sachspende erhalten.

Aus dem ehemaligen Altenheim in Kirberg stammten sieben elektrische Pflegebetten und 35 Nachttische. Die Kinderstation des Krankenhauses in Agatharied in der Nähe des Tegernsees stellte Betten, Defibrillatoren, EKG, Liegen und noch andere Ausstattungsgegenstände zur Verfügung. Eine große Hilfe sei auch die Spende eines gebrauchten Gabelstaplers der Firma Jungheinrich. Er erleichtere die Arbeit der Helfer deutlich.

Vom Pallotiner Orden in Limburg erhielt Döhrn eine noch sehr gut erhaltene Kücheneinrichtung mit Profi-Küchenherd, elektrischem Suppenkessel, Brotschneidemaschine und Dampfkocher, die für das Krankenhaus in Mühlbach verwendet werden sollen.

Bei den Neuwahlen des Patenschaftsvereins wurden alle Vorstandsmitglieder für weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt, die sie übrigens seit Gründung des Vereins inne haben: 1. Vorsitzender: Otto Döhrn, 2. Vorsitzender und Kassierer: Otmar Kramer, Schriftführer: Karl Langer.

Bilanz der bisherigen Hilfsaktionen 

Mit 56 Transporten wurden folgende Hilfsgüter nach Siebenbürgen in Rumänien gebracht:

• über 500 Tonnen Kleidung und Lebensmittel

• 150 Tonnen Krankenbetten und Dialyseflüssigkeiten

• 150 Tonnen Ausstattung für sechs Schulklassen mit Möbeln, Tischen und Schränken

• 3700 Schulranzen

• 60 Krankenliegen

• 200 Rollstühle und Rollatoren

• 500 Unterarmgehhilfen.

Spendenkonten: Raiffeisenbank Borken, BLZ 52061303, Konto 181350; Kreissparkasse Schwalm-Eder, BLZ 52052154, Konto 1177490701. (red)

Von Heinz Rohde  

Quelle: HNA

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