Hella Böker wird 70 Jahre alt: Ausnahmeathletin kündigt Karriereende an

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Hella Böker

Melsungen/Borken. Sie hat unzählige Siege errungen sowie das National-Trikot der DDR und auch der Bundesrepublik getragen. Am Dienstag wird Hella Böker (Melsunger TG zuvor TuSpo Borken) 70 Jahre alt.

Böker und die Wurf-Disziplinen in der Leichtathletik und im Rasenkraftsport – das gehört zusammen wie Beckenbauer und Fußball.

Die Karriere der Ausnahmeathletin begann mit 14 Jahren in der Betriebssportgruppe im sächsischen Espenhain. Mit 17 fischte Böker ihren ersten DDR-Titel in der Jugendklasse. Ein Jahr später warf sie mit 50,22 Metern Junioren-Weltrekord und war die erste jugendliche Diskuswerferin der Welt über 50 Meter überhaupt. Eine Marke, die elf Jahre Bestand haben sollte. „Das war meine absolute Sternstunde“, schwärmt die Sportlerin noch heute. 1960 folgte der Wechsel zur DHfK Leipzig.

Zwei Jahre später (1962) qualifizierte sich Böker als Zweite der Ausscheidungskämpfe BRD/DDR in Malmö für die EM in Belgrad. Diesem Höhepunkt folgten fünf weitere Länderkämpfe mit der DDR-Auswahl. Ihre 1963 erzielte Bestleistung von 53,74 m wurde bisher von keiner nordhessischen Athletin erreicht.

1981 heiratete die Werferin den Finanzbeamten Winfried Böker, siedelte in den Westen über und fand in Fuldabrück eine neue Heimat. Hier begann 1988 ihre zweite Laufbahn als Senioren-Sportlerin. Inzwischen stehen 32 deutsche Senioren-Meisterschaften sowie die kontinentalen Titel im Werfer-Fünfkampf von Malmö 1996, Jyväskylä 2000, Potsdam 2002 und Aarhus 2004 zu Buche. Im Rasenkraftsport schuf sich Böker ein zweites Standbein. Mehr als ein Dutzend Mal trug sie sich in die Rekordlisten des Deutschen Rasenkraftsport-Verbandes ein.

Böker erinnert sich gern an die Vergangenheit. Dennoch: Die Frau genießt auch die Gegenwart. Dabei hat sie der Sport geprägt. „Ich habe gelernt zu verlieren und spüre keinen Neid“, versichert sie. Auch eine Doping-Affäre warf sie nicht aus der Bahn. Noch heute beteuert sie ihre Unschuld.

Letzter Wettkampf geplant

Wichtig ist ihr die Kameradschaft unter Sportlern. „Ich könnte jeden Tag einen Wettkampf bestreiten“, sagt Böker und plant schon fürs kommende Jahr. Mitte August findet in ihrer sächsischen Heimat Zittau die 18. Senioren-EM der Leichtathleten statt. „Hier möchte ich meinen letzten Wettkampf bestreiten“, kündigt sie das Ende ihrer großartigen Karriere an. „Und da“, legt sie sich fest, „möchte ich noch einmal ganz oben stehen“. (zct)

Quelle: HNA

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