HNA-Interview: Das Maskottchen der MT Melsungen über sein Leben

Henner, das bin ja ich

Maskottchen unter sich: Drache Henner (Mitte) hat durch Juniormaskottchen Malte Buttron, 8 Jahre, Unterstützung (Rechts). Links das Maskottchen Kehrkules der Stadtreiniger Kassel, sie sponsern die MT Melsungen. Foto: Rößler

Melsungen. Wenn er mit erhobenen Händen über das Spielfeld läuft, sind die Fans der MT Melsungen Feuer und Flamme. Der Drache Henner sorgt für gute Stimmung während der Spiele und ist auch Glücksbringer des Vereins. Wir sprachen mit Henner und dem Menschen dahinter über sein Leben als MT-Maskottchen.

Hallo Henner, wann musst du dich umziehen, um rechtzeitig fertig zu sein?

Henner: Mittlerweile brauche ich nur noch zehn Minuten. Früher musste ich oft eine halbe Stunde einplanen.

Wie lange bist du dann in deinem Kostüm?

Henner: Gute sechs Stunden. An den Tagen kann ich mir Sauna und Fitness-Studio sparen. Auch wenn ich einen Lüfter in dem Kostüm habe, wird es richtig heiß. Meine Körpertemperatur wurde mal nach einem Spiel gemessen – sie lag bei 40 Grad.

Hast du außer dem Lüfter noch etwas unter dem Kostüm?

Henner: Nein, ich besitze zwar noch einen Trinkrucksack, der ursprünglich zum Fahrrad fahren gedacht war, aber dann sieht es aus, als hätte ich einen Buckel. Oder einen Bauch, wenn ich ihn vorne trage. Allerdings kann ich ohne diesen nur zwei Liter pro Spiel trinken, weil ich immer den Kopf absetzen muss.

Eine ganz schön anstrengende Geschichte. Würdest du sagen, dass das Maskottchen-Dasein eher Hobby oder Beruf ist?

Henner: Es macht viel zu viel Spaß, um es Arbeit zu nennen. Ich bekomme dabei den Kopf frei. Natürlich ist es anstrengend und zeitintensiv. Früher habe ich das ehrenamtlich gemacht, irgendwann wollte der Vorstand mir dann zumindest eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen. Das habe ich auch angenommen.

Kannst du die Privatperson und das Maskottchen trennen?

Henner: Nein, das kann ich nicht. Ich verkörpere Henner. Wenn ich Fotos von dem Maskottchen sehe, denke ich: „Das bin ja ich.“ Sobald ich in dem Kostüm bin, werde ich Henner. Oft fiebere ich bei den Spielen so mit, dass ich am Abend nach Hause komme und keine Stimme mehr habe.

Fühlst du dich für Sieg oder Niederlage verantwortlich?

Henner: Nein, ich fühle mich zwar als Teil der Mannschaft, aber dafür fühle ich mich nicht verantwortlich.

Hast du einen Lieblingsspieler?

Henner: Hatte ich, aber er hat die Mannschaft leider verlassen. Ich komme aber mit allen Spielern gut zu Recht. Wir gehen am Abend auch öfter zusammen weg.

Warum soll eigentlich niemand deine Identität erfahren?

Henner: Der Reiz würde verloren gehen. In der Handballbundesliga ist es üblich, dass die Identität der Menschen, die im Maskottchen-Kostüm stecken, unbekannt bleibt. Das dient nicht zuletzt auch dem Persönlichkeitsschutz.

Wie wird man denn eigentlich MT-Maskottchen?

Henner: Als die Idee 2009 aufkam, suchten sie jemanden, der im positiven Sinne verrückt genug ist, um so etwas zu machen. Da ich bereits lange bei der MT als Ordner bei den Spielen gearbeitet habe, ist man auf mich gekommen.

Du machst das jetzt seit 2009. Merkst du, dass du mit der Zeit besser geworden bist?

Henner: Ja, jetzt ist mehr Sicherheit da. Ich weiß, wie ich mit den Menschen umgehen muss und wie sie reagieren.

Wünschst du dir Unterstützung für dich als Henner?

Henner: Nein.

Aber du hast ja schon einen Nachfolger?

Henner: Ja, Malte. Er ist acht Jahre und das Nachwuchsmaskottchen. Er wollte sich an Fasching als Henner verkleiden, dafür hat seine Mutter ihm das Kostüm genäht. Jetzt unterstützt er mich bei den Heimspielen, falls es nicht wochentags oder zu spät ist. Wenn ich irgendwann als Maskottchen aufhören muss, wünsche ich mir ihn als Nachfolger.

Welche Voraussetzungen muss man denn als Maskottchen mitbringen?

Henner: Kreativität ist wichtig. Dann muss man Animateur sein und auf Menschen zu gehen können. Identifikation mit dem Verein ist Grundvoraussetzung und ganz wichtig – man muss schon etwas durchgeknallt sein!

Und was wünscht sich ein Maskottchen?

Henner: Dass die Rothenbachhalle bei allen Spielen der MT voll besetzt ist.

Von Nele Rößler

Quelle: HNA

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