Heinrich Rudolph (90) erzählt aus seinem Leben als Bürgermeister in Edermünde

Henner kann’s nicht lassen

Erinnerungen: Edermündes ehemaliger Bürgermeister Heinrich Rudolph mit Freund und Erstem Beigeordnetem Günter Höhmann sowie Ehefrau Margot Rudolph. Foto: Dewert

Edermünde. 200 Euro verdiente Heinrich Rudolph als Bürgermeister. Das ist nicht viel, werden Sie denken. Aber von 1952 bis 1960 war er sogar ehrenamtlich Chef der Gemeinde Grifte – dafür gab es eine Aufwandsentschädigung.

Erst danach gab es ein Gehalt für den SPD-Mann der ersten Stunde. Heinrich Rudolph ist wahrlich ein alter Recke: Der 90-jährige Grifter ist einer der ältesten noch lebenden ehemaligen Bürgermeister im Schwalm-Eder-Kreis und hatte jüngst Geburtstag. Mit uns erinnert er sich an eine seiner schlimmsten Beleidigungen und erzählt, warum Besse eine Mehrzweckhalle hat.

Die turbulenteste Zeit seiner Laufbahn war die Phase der Gebietsreform Anfang und Mitte der 1970er-Jahre. Die Vereinigung mit Haldorf und Holzhausen verlief weitgehend reibungslos. „Die Besser wollten aber partout nichts mit uns zu tun haben. Lieber hätten sie sich Baunatal angeschlossen“, erinnert sich Rudolph. In diese Zeit fällt auch ein Anruf eines Bessers, der der Rudolphschen Schwiegermutter ausrichten ließ: Ihr feiner Herr Schwiegersohn sollte mal antanzen, aber plötzlich. Das Scheißhaus müsste sauber gemacht werden. „Das war schon rüde“, sagt Rudolph. Aber im Vergleich zu heute sei es doch familiärer zugegangen. Die Menschen hätten in der Politik mehr Anstand gehabt. Er sei relativ froh, dass seine aktive Zeit nun schon fast 30 Jahre zurückliege.

Dabei sitzt er im Wohnzimmer, mit Fotoalben vor sich und vielen Zeitungsausschnitten. Seine Frau Margot (74) schenkt Kaffee ein und holt Kuchen. Denn gut zu Fuß ist Henner nicht mehr. Die Folgen einer Bandscheiben-OP aus den 80er-Jahren machen ihm zu schaffen. Sein damaliger Büroleiter und heutiger Bürgermeister, Karl-Heinz Färber, war damals oft am Krankenbett, um sich Unterschriften abzuholen.

Immer noch viel zu tun

Seinen Dienstsitz hatte Rudolph da schon in Holzhausen. Für die Besser ein Ding der Unmöglichkeit. „Das ist auf der falschen Seite der Autobahn. Das kommt nicht in Frage, hieß es von den Bessern“, erzählt Rudolph und lacht. Um des lieben Friedens willen versprach man den Bessern den Bau einer Mehrzweckhalle.

Bis jetzt ist Rudolph im Verein ehemaliger Bürgermeister und Amtsleiter als stellvertretender Vorsitzender aktiv. Das war er auch schon unter dem ehemaligen Landrat August Franke. Der habe damals gesagt: „Henner, bevor uns im Alter langweilig wird, gründen wir einen Verein.“ Und so kam’s auch. Der Kirchenälteste Rudolph hat aber sonst gut zu tun und hofft, noch viele Geburtstage zu feiern.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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