HNA-Interview: „Alles kann besser werden“

Nach Kritik an Personalführung: Hephata hält an HSDE-Geschäftsführer fest

Schwalmstadt. Ein anonymer Kreis hat die Personalführung in der Hephata-Tochter HSDE (Hephata Soziale Dienste und Einrichtungen) heftig angegriffen. Aufsichtsratsvorsitzender und Hephata-Direktor Klaus D. Horchem (58) nimmt dazu Stellung:

Aus dem Umfeld der Hephata-Tochtergesellschaft HSDE (Hephata Soziale Dienste und Einrichtungen) haben Missmanagement und Schikane angeprangert. Was sagen Sie dazu?

Klaus D. Horchem: Natürlich würde ich gern mit dem anonymen Kreis sprechen, aber wir wissen ja nicht mal, wer der in dem HNA-Bericht genannte Anwalt ist. Somit haben wir keine Möglichkeit, auf den Brief zu antworten. Trotzdem nehmen wir den Inhalt ernst, viel besser wäre es, in einen Dialog einzutreten.

Hat sich die Situation von Mitarbeitern in Hephata-Gesellschaften in jüngerer Vergangenheit unter betriebswirtschaftlichen Zwängen verschlechtert?

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Horchem: Grundsätzlich nicht, aber im Fall von HSDE muss man sagen, dass das Unternehmen im April 2013, als der neue Geschäftsführer anfing, in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation war. Die hat der Geschäftsführer vorgefunden, nicht verschuldet. Ich betone aber, dass unter dem Dach von Hephata Gewinnorientierung nicht das Ziel ist. Ziel und Maßstab unserer gemeinnützigen Unternehmen ist die Verantwortung für die Bewohner der Einrichtungen und die Mitarbeiter.

Klaffen womöglich Anspruch und Wirklichkeit in der Personalführung in Ihren Häusern auseinander?

Horchem: Grundsätzlich sehe ich das nicht so, aber richtig ist, dass die Folge von Umwälzungen in einem Unternehmen Unruhe ist.

Was meinen Sie?

Horchem: HSDE-Geschäftsführer Markus Simmel fand einen erheblichen Personalüberhang vor. Es waren in der Vergangenheit Stellen besetzt worden, denen keine Finanzierung zugrunde liegt. Somit musste innerhalb sehr kurzer Zeit Personal abgebaut werden, was ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich war. Zumeist wurden auslaufende Verträge nicht verlängert, zu unserem großen Bedauern mussten wir zudem Mitarbeiter innerhalb von Probezeiten wieder entlassen.

Wie erklären Sie den Fall von zwei Frauen, die ihre Arbeitsplätze in Treysa und Lauterbach tauschen sollten, die aber die Kündigung vorzogen?

Horchem: Die HSDE betreibt vier Seniorenzentren in drei Städten und Gemeinden., wo die Zahl der Mitarbeiter jeweils relativ klein ist. Bei dieser Struktur müssen wir von den Mitarbeitern eine gewisse Flexibilität erwarten, um zum Beispiel in bestimmten Situationen in anderen Einrichtungen auszuhelfen. Auch wenn Personal abgebaut werden muss, ist es besser, Mitarbeitern Versetzungen anzubieten, als sich von ihnen zu trennen. Da wir im gesamten vorigen Jahr trotz der schwierigen Umwälzungen nur vier solcher Fälle hatten, ist kein System dahinter erkennbar.

Hat die Hephata-Leitung schlechte Entwicklungen zu spät wahrgenommen?

Horchem: Nein, das sehe ich nicht so. Im Übrigen sind für die nächste Woche in den HSDE-Einrichtungen Mitarbeiterversammlungen einberufen, an denen ich teilnehmen werde. Ich bin sehr gespannt auf die Atmosphäre und will mir selbst ein Bild machen, was die öffentliche Diskussion mit den Mitarbeitern macht.

Wie haben die Mitarbeiter denn bisher auf die Vorwürfe dieses Kreises reagiert?

Horchem: Mein Eindruck ist, dass die Mitarbeiter das Vorgehen nicht gutheißen. Mir ist niemand begegnet, der findet, etwas sei endlich ausgesprochen worden. Vielmehr bekomme ich zu hören, dass man sich so nicht verhalten sollte. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nicht immer alle glücklich und zufrieden sind. Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass sehr viele Mitarbeiter hinter ihrem Dienstgeber Hephata stehen.

Wird denn jetzt konkret etwas verändert?

Horchem: Wir lernen ständig dazu, es gibt eine permanente Veränderung. „Kontinuierlicher Verbesserungsprozess“ ein moderner Begriff dazu. Nur darf niemand erwarten, dass alles sofort so geschieht, wie er es einfordert. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung. Es ist nie alles gut, alles kann besser werden. Auch ohne Druck von außen.

Halten Sie am HSDE-Geschäftsführer fest?

Horchem: Die Sachlage habe ich mit ihm geklärt, die Inhalte des anonymen Briefes sind bearbeitet. Persönliche Vorwürfe gegen den Geschäftsführer diskutiere ich nicht in der Öffentlichkeit, er hat weiterhin mein Vertrauen.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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