Plag-Druckerei in Treysa

Hephata-Druckerei stellt Insolvenzantrag: 17 Menschen droht Arbeitslosigkeit

Vorstandssprecherin Barbara Eschen

Schwalmstadt. Die anhaltende Konzentration in der Druckindustrie und sinkende Umsätze mit gedruckten Werbemitteln machen auch vor der Druckerei Plag in Treysa nicht halt, das erklärte der Vorstand der Hephata-Diakonie.

Der Integrationsbetrieb habe deshalb beim Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. Wie es in der Pressemitteilung heißt, bedauert der Hephata-Vorstand die Entwicklung. Vorstandssprecherin Barbara Eschen sagte, dass die Hephata Diakonie bereits seit 2007 Verluste der Druckerei abgefedert habe: „Es wäre den anderen Bereichen Hephatas gegenüber nicht zu verantworten, für die Druckerei Plag weitere Defizite auszugleichen.“ Der Druckerei drohe die Überschuldung, „deshalb musste der Insolvenzantrag gestellt werden“.

2008 war ein Sanierungsplan erarbeitet worden, der zunächst auch gegriffen habe. Für den Fortbestand der Firma seien sieben Arbeitsplätze abgebaut worden, um Kosten zu senken. Allerdings ließen zugleich „die Umsätze erheblich nach“.

Zudem habe der Landeswohlfahrtsverband seine Ausgleichszahlungen für den Integrationsbetrieb stark gekürzt. Laut Hphata machen sie nur noch einen sehr geringen Einnahmeposten aus.

„Damals waren Integrationsbetriebe wie die Plag gGmbH in Hessen gesellschaftspolitisch gewollt, das hat sich in den vergangenen Jahren offenbar geändert“, erklärt Barbara Eschen. Während deutschlandweit die Zahl der Integrationsunternehmen stieg, sei sie in Hessen in den vergangenen Jahren gesunken. Zwischen 2009 und 2011 ging die Zahl der Integrationsfirmen in Hessen um fünf auf 40 zurück.

Zuletzt war noch der Kauf einer neuen Druckmaschine geplant, „unterm Strich sind die Rahmenbedingungen aber einfach zu schlecht, als dass eine solche Investition verantwortungsvoll wäre“, sagte Eschen. Hephata sehe sich in besonderer Weise verpflichtet, bei unternehmerischen Entscheidungen nicht alleine die wirtschaftlichen Gesichtspunkte in Betracht zu ziehen, denn „Hephata arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern gemeinnützig“, so die Pressemitteilung. Die Hephata Diakonie habe aus diesem Grund als alleinige Gesellschafterin der Plag gemeinnützige GmbH schon seit einiger Zeit den laufenden Betrieb der Druckerei mit Darlehen gestützt, um die 17 Mitarbeitenden, von denen sieben schwerbehindert sind, weiter beschäftigen zu können. Dies halte der Hephata-Vorstand allerdings nicht länger für vertretbar.

Laut Statistiken des Bundesverbandes Druck und Medien seien die Umsätze mit Druckerzeugnissen bundesweit im Zeitraum von 2009 bis 2011 um mehr als 13 Prozent zurückgegangen. 2000 habe es knapp 14 000 Druckereien in Deutschland gegeben, zehn Jahre später noch 9746. Die meisten Druckereien, die vom Markt verschwunden sind, waren kleine Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitenden und damit ähnlich strukturiert wie die Firma Plag. Die Zahl der Beschäftigten in der Druckereibranche insgesamt sank in dem Zeitraum 2000 bis 2011 von rund 223.000 auf nur noch rund 154.500.

Der ehemalige Betriebsleiter der Plag gGmbH, Wolfgang Plag, war zum Jahresende 2012 aus dem Betrieb ausgeschieden. Sein Vater war Buchbinder, Wolfgang Plag machte sich 1974 mit seiner Druckerei selbstständig, hier arbeiteten Hilfskräfte, die in Wohngruppen Hephatas lebten. 1994 wurde die Druckerei Teil der Gena, einer gemeinnützigen Gesellschaft zur Entwicklung neuer Arbeitsplätze, die von Kreis, Stadt und Hephata getragen wurde. Plag wurde Geschäftsführer, aus den ehemals 16 wurden 32 Mitarbeitende, 25 davon waren Menschen mit Behinderungen.

Im Jahr 2008 stieg Hephata in die Geschäftsführung ein, Wolfgang Plag wurde Betriebsleiter.

Im Januar war Olaf Podszuweit neuer Betriebsleiter geworden.

Quelle: HNA

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