Weiter Streit um Fießler

Hephata-Sozialpsychiatrie: Zweites Kündigungsverfahren läuft

Fritzlar/Treysa. Die ehemalige Leiterin der Hephata-Sozialpsychiatrie in Fritzlar, Annemarie Fießler, wird bis auf Weiteres nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Das gilt, obwohl das Arbeitsgericht in Kassel die Kündigung in erster Instanz für ungültig erklärt hatte.

Hephata weist darauf hin, dass ein zweites Kündigungsverfahren läuft. Das Diakoniezentrum wirft seiner Mitarbeiterin Arbeitszeit- und Spendenbetrug vor. Außerdem habe Fießler Klienten der Sozialpsychiatrie instrumentalisiert und die Belegschaft in zwei Lager gespalten.

Beim „Arbeitszeitbetrug“ handelt es sich offensichtlich um eine Aufräumaktion, bei der Mitarbeiter geholfen hatten. Ein ähnlicher Einsatz sei im Vorjahr noch von einem Vorgesetzten genehmigt worden, hatte Fießlers Anwalt vor Gericht gesagt. Hephata hingegen bemängelte, dass die Arbeit nicht zu den Aufgaben der Mitarbeiter gehört habe.

Zum angeblichen Spendenbetrug heißt es von Hephata, Geld sei nicht ordnungsgemäß verbucht beziehungsweise ausgegeben worden. Über den Betrag und die Umstände könne er sich nicht äußern, sagte Hephata-Sprecher Johannes Fuhr auf HNA-Anfrage.

Fießlers Anwalt Sven Feuerhahn hält die neuen Vorwürfe für unbegründet. „Mir scheint es eher so, als ob etwas gesucht wird, um Frau Fießler loszuwerden“, sagte er gestern.

„Eine bessere Kaffeekasse“

Hintergrund des Spendenvorwurfs sei offenbar eine Veranstaltung, für die Fießler Grillgut für die Mitarbeiter gekauft und dafür Geld aus einem Sparschwein („eine bessere Kaffeekasse“) genommen habe.

Auch zum Vorwurf, Fießler habe nach der Kündigung Klienten der Sozialpsychiatrie für ihre Zwecke instrumentalisiert, machte Hephata keine genauen Angaben. Das sei nicht möglich, da nicht öffentlich erkennbar sein dürfe, um welche Klienten es sich handele, sagte Fuhr.

Die Instrumentalisierung sei „weder menschlich noch professionell akzeptabel, da Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen sehr sensibel auf Konflikte reagieren“, wird Hephata-Direktorin Barbara Eschen zitiert.

Anwalt Feuerhahn weist auch das vehement zurück. Fießler habe ganz bewusst keinen Kontakt zu ehemaligen Klienten gesucht. Einige seien freilich auf sie zugekommen. Der Vorwurf der Instrumentalisierung gehe „völlig ins Leere“.

Zum Arbeitsklima heißt es von Hephata, Fießler habe Mitarbeiter in zwei Lager gespalten, je nachdem, ob „sie ihre Position teilen“ oder nicht. Auch das bestreitet Anwalt Feuerhahn.

Der Anwalt hat auch im zweiten Fall Kündigungsschutzklage eingereicht, damit die Kündigung nicht wirksam wird. Er halte die Vorwürfe der 2. Kündigung für noch weniger begründet als die der ersten, sagte er.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

Kommentare