Abschied: Kantor Bernhard Köhler spielte 40 Jahre die Orgel in der Schlosskirche

Herr über die Manuale

Organist sagt Ade: Von 1970 bis heute hat Bernhard Köhler (73) die Schlosskirche mit seiner Orgelmusik erfüllt. Foto: Rose

Ziegenhain. Im Beruf beschäftigte sich Bernhard Köhler als Lehrer für Mathematik und Physik mit dem Analytischen. Privat zog den Ziegenhainer alles Kreative und Musische an. 40 Jahre lang hat Köhler die Orgel der Ziegenhainer Schlosskirche zum Erklingen gebracht. Jetzt überlässt der 73-Jährige die Manuale einem Nachfolger.

Musikalisch war der Sohn eines Pfarrers, der in Breitenbach am Herzberg aufwuchs, schon immer. Als Kind lernte er Geige, das Klavierspielen brachte sich Köhler selbst bei. „Der Jazztitel ,In The Mood‘ war das erste Stück, das ich spielen konnte“, erinnert er sich. Als Mitte der 60er Jahre Chorleiter und Organist in Ziegenhain kurz hintereinander starben, übernahm der Lehrer der Carl-Bantzer-Schule die Nachfolge. Sowohl als Chorleiter als auch als Organist prägte Köhler fortan die kirchenmusikalische Arbeit in Ziegenhain.

Zeit und Essen vergessen

Zuhause am Klavier schulte er seine Fingerfertigkeit: Mehrmals in der Woche übte Köhler in der Kirche. „Wenn er übte, vergaß er nicht nur häufig die Zeit, sondern auch das Mittagessen“, erzählt seine Frau. Die Sonntagvormittage waren stets für die Gottesdienste reserviert. „Alle vier Wochen hatte ich einen Sonntag frei“, erklärt Köhler. Musikalisch begleitet hat der Ziegenhainer nicht nur Gottesdienste, sondern auch Andachten, Hochzeiten und Beerdigungen. Die Lieder haben die Pfarrer gewählt. Kreativ durfte Köhler bei Zwischenspielen sein. Das Repertoire erweitert habe die Einführung des neuen Gesangbuches vor 15 Jahren, sagt der Organist. „Darin findet man auch Lieder im Stil von Schlagern.“

Das Instrument leistete dem Musiker gute Dienste. „Besonders schön klang die Orgel nach dem Einbau von neuen, alten Pfeifen aus der Treysaer Stadtkirche“, findet Köhler. Und je voller die Kirchenbänke, umso lieber musizierte der Organist. „Die Gottesdienstbesucher sind treu“, sagt er. Beim Mitsingen muss Köhler manchmal für ein bisschen mehr Tempo sorgen: „Es gibt einen einfachen Trick. Wenn man die Atempausen früher macht, singt die Gemeinde automatisch etwas schneller.“

Mehrere Chöre

Nicht allein die Orgel war sein musikalisches Metier: Bernhard Köhler leitete viele Jahre lang den Kirchen- und den Sängerchor in Ziegenhain, gründete an der Schule einen Lehrerchor und den Instrumentalkreis, in dem er sich bis heute mit viel Vergnügen dem Geigenspiel widmet.

Gern erinnert er sich an musikalische Konzerthöhepunkte zurück. Etwa an die Einweihung der Kabinenbahn am Ziegenhainer Krankenhaus. „Ich war gemeinsam mit dem Minister der erste, der einsteigen durfte.“

Nach dem Abschied will sich der Organist jetzt stärker seinen Hobbys widmen, mehr mit dem Computer arbeiten und mit der Enkeltochter im Duett Geige spielen. „Und in die Kirche werde ich natürlich auch weiterhin gehen.“

Sein Nachfolger soll Thilo Gerstung aus Trutzhain werden.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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