Philipp Strehlke und Jasmin Dunkel fahren einen Trabant 601 de Luxe

Kult-Auto restauriert: Ihr Herz hängt am Trabbi

Schellbach. Die mit flauschigem Stoff überzogenen Sitze sind gemütlich wie Sessel. Das war es dann auch schon mit dem Fahrkomfort. Denn das delfingraue Auto von Philipp Strehlke aus Knüllwald- Schellbach ist alles andere als ein moderner Hochglanz-Flitzer.

Der 19-Jährige fährt einen Trabbi, den er selbst restauriert hat: das Kult-Fahrzeug aus der ehemaligen DDR.

„Mit Originalteilen habe ich den Wagen aufgebaut. Als ich ihn gekauft habe, bestand der Wagen fast nur noch aus der Karosserie“, betont Strehlke und ist stolz darauf. Die Teile dafür hat er nach aufwändiger Suche im Internet entdeckt und kistenweise gekauft. Türgriffe, Sitzbezüge, sogar ein Original-Fahrtenbuch und eine Zigarettenbox aus Metall.

Besonders freut sich der Tüftler darüber, dass es ihm gelungen ist, eine Sonnenblende für sein Fahrzeug zu bekommen. „Die gibt es nur sehr selten“, sagt er. Klar, dass alles an dem Auto und auch die Dekoration darin aus DDR-Zeiten stammt. Selbst der Wackeldackel und das Sandmännchen auf der Hutablage und die Puppe mit den Klimperaugen, die auf der Rücksitzbank platziert wurde.

Bei einer Probefahrt in dem Zweitakter wird trotz der laut ratternden Motorgeräusche schnell klar, was Philipp Strehlke an seinem Fahrzeug schätzt: „Es ist ein Auto, das nicht jeder fährt“, sagt er. Eines, in das er viel Zeit und Energie gesteckt hat. Eines, bei dem er jede Schraube kennt. Eines, das gemütlich ist und nostalgische Gefühle weckt. Schon mit 16 Jahren hatten es ihm die Ostfahrzeuge angetan. „Mein Mofa war eine Simson Duo“, sagt er. „Ich könnte eine Bibel über das Besondere an meinem Trabant schreiben“, fügt er an.

Schonzeit im Winter

26 PS hat der Trabant 601 de Luxe unter der Motorhaube, und die befördern Philipp Strehlke und seine Freundin Jasmin Dunkel gemächlich im Sommer an jedes Ziel ihrer Wahl – in der näheren Umgebung. Im Winter hat der Trabant Schonzeit, und Strehlke kauft sich dann ein günstiges Auto für die Tage, an denen die Straßen im Landkreis glatt und für seinen Trabbi aus dem Jahr 1989 zur Gefahr werden könnten.

Beim Fahren ruckelt der Trabbi seine Insassen kräftig durch. Das Lenkrad zittert und geht es bergab, fängt das sogenannte Rollruckeln an. Es holpert, das Auto macht kleine Sprünge. Bei jedem modernen Auto würde man sofort besorgt an den Straßenrand fahren, anhalten und die Werkstatt anrufen. „Bei einem Trabbi ist das normal“, erklärt Strehlke. Der Motor schiebe dann zu stark, sagt er knapp. Weiter geht’s.

70er-Jahre Zigarettenbox und DDR-Puppe gehören zum Trabbi dazu.

Und auch wenn der Trabbi keine Umweltplakette erhält, viel benötigt er nicht. „Erverbraucht etwa 5 Liter, Versicherung und Steuern sind bezahlbar, weil es ein Zweitakter-Motor ist.“ Knifflig sei nur die Sache mit dem Tanken. Denn eine Anzeige sucht man vergeblich. „Etwa fünf Liter sind im Tank.“ Der Rest ist Berechnung.

„Der Wagen ist ein echter Hingucker“, sagt Jasmin Dunkel und findet die Autoleidenschaft ihres Partners mittlerweile richtig gut. Bei ihr war es nicht die Autoliebe auf den ersten Blick. Ganz anders übrigens, als bei den vielen Menschen, die das Paar bei seinen Touren fotografieren oder ansprechen. Die dürfen auch schon mal auf den gemütlichen Sitzen Platz nehmen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Yüce

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