Kreiskantorei Ziegenhain und Kammerorchester Marburg traten in Stadtkirche auf

Herzenswunsch zum Fest

Jauchzet: Kreiskantorei Ziegenhain, Kammerorchester Marburg und die Solisten (von links) Cornelia Sander (Alt), Andreas Czerney (Bass), Marion Clausen (Sopran), Sören Richter (Tenor) führten unter Leitung von Jens Koch Bachs Weihnachtsoratorium auf. Foto:  Grebe

Schwalmstadt. „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ – für viele wird es erst mit Bachs Weihnachtsoratorium richtig Weihnachten. Bezirkskantor Jens Koch hat den Schwälmern einen Herzenswunsch erfüllt, indem er die ersten drei Kantaten des großartigen Werkes am Vorabend des vierten Advents mit der Kreiskantorei Ziegenhain, dem Kammerorchester Marburg und vier Vokalsolisten in der Treysaer Stadtkirche aufführte.

Hatte man schließlich in der voll besetzten Kirche einen Platz gefunden, durfte man sich ganz in Bachs Musik mit ihren vertrauten Melodien und Texten versenken. Aus vielen Orten kamen die Sänger herbei, um mitsingen zu können, verriet Pfarrer Leo-Daniel von Busse. Und so stimmten schließlich über 50 Kehlen eindrucksvoll den Eingangschor „Jauchzet frohlocket“ an, festlich eröffnet von markanten Paukenschlägen, in die alsbald das komplette Orchester einfiel, überhöht von schmetternden Trompeten. Ein weiterer Prüfstein für Chor und Orchester war das „Ehre sei Gott“ mit seinen ausgedehnten Koloraturketten, die den Interpreten höchste Konzentration abverlangten.

Die Choräle, die in den Bachschen Oratorien die Gläubigen verkörpern, nahm Koch durchweg in äußerst langsamen Tempi, so dass die Ausführenden einen andächtigen Ruhepol inmitten des überfließenden Jubels der Turba-Chöre setzten und zugleich die Bachsche Tonsprache bis ins Detail auskosten konnten. Kochs Intention, signifikante Schlüsselwörter hervorzuheben, setzte der Chor vorbildlich um.

In der „Sinfonia“ zu Beginn der zweiten Kantate symbolisierte das Orchester unter dem sicheren Dirigat bedächtig die Welt der Hirten (Streicher und Flöten), in die die Engelsboten verheißungsvoll einstimmten (Oboen).

Der Evangelist (Sören Richter) „erzählte“ in seinen Secco-Rezitativen (nur vom Basso Continuo begleitet) klar und ungekünstelt die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Geschmeidig und zugleich äußerst prägnant bezwang er seinen Koloratur-Marathon in der Arie „Frohe Hirten“, stets mit heller, fein timbrierter Stimme, brillant begleitet von der Traversflöte (Susanne Oehler). Der Bassist Andreas Czerney zeigte durch seine kraftvoll-kernige und zugleich schlanke Interpretation der Arie „Großer Herr und starker König“, wie göttliche Pracht und irdische Niedrigkeit des Kindes in Einklang gebracht werden, umgeben von festlichem Trompetenglanz (Florian Balzer).

Mit ihrem warmen, samtigen Alt sang Cornelia Sander in der Arie „Schlafe, mein Liebster“ dem Jesuskind ein Wiegenlied, umrankt von lieblichen Oboen- und Streicherklängen. Besonders gefiel die Sopranistin Marion Clausen in dem Duett „Herr, dein Mitleid“, in dem sie gemeinsam mit dem Bass, begleitet von Oboe d’amore, Gottes Barmherzigkeit glaubhaft darstellte. Nun kann es Weihnachten werden.

Von Dorothea Grebe

Quelle: HNA

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