Bürgermeister im Schwalm-Eder-Kreis wollen nicht für Vellmar in die Bresche springen

Hessentag im Schwalm-Eder-Kreis – nein danke!

Schwalm-Eder. Der Hessentag in Homberg war 2008 ein rauschendes Fest. Die Stadt profitierte von Investitionen in die Infrastruktur, verbuchte nach eigenen Angaben aber auch ein Defizit von 2,9 Millionen Euro. Wegen solcher finanziellen Risiken hat sich die Stadt Vellmar jetzt als Ausrichter des Hessentages 2013 zurückgezogen.

Für Städte im Schwalm-Eder-Kreis ist das Großereignis derzeit kein Thema, wie eine – nicht repräsentative – Umfrage ergab. Keine Kommune würde für Vellmar in die Bresche springen wollen.

„Der Hessentag hat sich für uns auf jeden Fall ausgezahlt“, sagt Hombergs Bürgermeister Martin Wagner. Doch für Vellmar einspringen will er nicht, auch „wenn meine Leute in der Verwaltung meinen, dass wir es schaffen könnten“. Als Grund nannte Wagner die „emotionale Nähe“ und die Erwartungshaltung der Menschen.

Auch gebe es Probleme, die eine oder andere Fläche zu finden. So sei das Gelände der Landesausstellung inzwischen zur Hälfte bebaut. „In 15 bis 20 Jahren kann man über einen zweiten Hessentag nachdenken.“

Doch insgesamt zieht Wagner ein positives Fazit des Festes, auch wenn es in der Kreisstadt mit einem Defizit von 2,9 Millionen Euro endete. Dem stünden Investitionen und zusätzliches Geld entgegen, das in die Stadt geflossen sei.

„Der Hessentag ist ein fünfjähriges Stadtentwicklungsprogramm.“

Martin Wagner, Bürgermeister Homberg

Ganz abgesehen davon seien die Homberger enger zusammengerückt. In der Stadt habe sich ein besonderes Bürgerengagement herausgebildet, Emotionen, die nicht zu unterschätzen seien. Wagners Fazit: „Der Hessentag ist ein fünfjähriges Programm zur Stadtentwicklung mit Nachentwicklungen und nicht nur das zehntägige Fest.“

„Der Hessentag ist zu einem wahnsinnig großen Gebilde aufgeblasen worden, das zwar für die Städte Positives bringt, aber eben auch Millionendefizite“, sagt Melsungens Erster Stadtrat Fritz Voit. Schon aus Platzgründen komme ein solches Fest in der Bartenwetzerstadt heute wohl nicht mehr in Frage. Ein Gelände für Großveranstaltungen, wie sie inzwischen üblich seien, stehe nicht zur Verfügung. 1987 war der Hessentag in Melsungen gefeiert worden. Für 2012 – dann 25 Jahre später – habe sich die Stadt noch einmal beworben, aber keinen Zuschlag erhalten.

Eine Alternativbewerbung nach dem Rückzug Vellmars habe in Melsungen nicht zur Diskussion gestanden.

„Ideell für Vellmar sehr schade“, lautet der Kommentar von Schwalmstadts Bürgermeister Wilhelm Kröll. Der Sozialdemokrat beobachtet, dass die Schwalmstädter noch heute einen verklärten Blick bekommen, wenn sie an das Hessenfest 1995 in ihrer Stadt denken. „Der Hessentag war für uns ein sehr großer Imagegewinn“, sagt Kröll.

Kritik hat er am „Wettrennen um immer mehr Besucher und gigantischere Veranstaltungen“ bei den jüngsten Hessentagen. Der getriebene Aufwand gehört für ihn auf den Prüfstand, und aus finanziellen Gründen sei die Konsequenz des Vellmarer Kollegen völlig verständlich.

Sehr gerne würde Borkens Bürgermeister Bernd Heßler einen Hessentag ausrichten. „Nichts lieber als das.“ Aber „wegen der finanziellen Lage der Stadt und wegen des zu erwartenden Defizits von drei bis fünf Millionen Euro, ist das nicht zu verantworten“. Die Idee des Hessentags sei nach wie vor gut, aber das Land müsse sich stärker an dem großen Fest der Hessen beteiligen. Dazu müsse die Struktur des Festes verändert werden.

Hessentag – nein danke, sagt auch Fritzlars Bürgermeister Karl-Wilhelm Lange. Energie und Geld seien besser in die Erlebnisregion Edersee investiert, „das bringt auf Dauer mehr Besucher nach Fritzlar, als die Großveranstaltungen des Hessentags“.

Auch die Investitionen in die Infrastruktur im Vorfeld des Festes seien in Fritzlar weitgehende abgeschlossen. Nein, unter den Umständen halte er einen Hessentag in Fritzlar nicht für gerechtfertigt. (hro/ras/aqu)

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Quelle: HNA

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