Turm und Waldhöhe südlich von Spieskappel sind seit der Frühgeschichte von historischer Bedeutung

Hessischer Landtag tagte am Spieß

Zoll- und Grenzturm: Am Spieß, zwischen Spieskappel und Obergrenzebach, trafen sich einst die hessischen Stände. Fotos: Grede

Frielendorf. Der Spieß, das sind die Waldhöhe und der alte Zollturm südlich des Dorfes Spieskappel in Richtung Obergrenzebach. Von der Frühzeit bis in das späte Mittelalter hin erlangte diese Stelle eine wichtige Bedeutung.

Ausgeprägte Erd- und Steinwälle sowie Funde mittelalterlicher Keramikscheiben lassen im gesamten weiträumigen Waldgebiet des Spießes weitere Zeugnisse vergangener Kulturen vermuten.

Der Name Spieß ist leider für diese Erhebung verloren gegangen. Heute wird nur noch der Turm als Spieß bezeichnet und nicht mehr die Waldhöhe.

Ursprünglich schied der Spieß den fränkischen Hessengau von dem Oberlahngau. später dann auch Niederhessen von Oberhessen. Durch den Schlag am Spieß zog auch die Straße „Durch die langen Hessen“. Sie führte von Frankfurt bis nach Thüringen. Der heute noch sichtbare Zoll- und Grenzturm, der Spießturm, wurde durch Landgraf Ludwig I. von Hessen gegen die Grafschaft Ziegenhain um 1430 errichtet. Die Befestigungsanlagen wurden bedeutungslos, als der letzte Graf von Ziegenhain 1450 erbenlos starb und die Grafschaft Ziegenhain an Hessen fiel. Im 15. Jahrhundert war der Spieß eine Stätte gemeinsamer hessischer Landtage und sonstiger Versammlungen. Nachdem Landgraf Ludwig I. 1458 gestorben war, erhob sich der bald bekannte Teilungsstreit zwischen seinen Söhnen Ludwig II. (Kassel) und Heinrich III. (Marburg).

Grafen im Bruderzwist

Im Januar 1467 kamen die eingesetzten Teiler zum Abschluss ihrer Schätzungen und Vorschläge im Kloster Spieskappel zusammen. 1467 traten nunmehr 20 Abgeordnete der hessischen Ritterschaft, um die Prüfung der Schätzungen vorzunehmen. Beide Landgrafen waren zugegen. Landgraf Ludwig II. mit einem Gefolge von 135 Reitersleuten. 1468 brach dennoch die Spannung zwischen den beiden Landgrafen in offene Feindschaft aus. Erst im folgenden Jahr kamen die beiden am Spieß zusammen und schlossen Frieden.

Mehrfach kam in den folgenden Jahrzehnten am Spieß der Landtag zusammen. 1534 fand am Spieß ein Landtag statt, auf dem Landgraf Philipp für den Fall seines Ablebens den Landesständen seinen letzten Willen bekannt gab. Nach der Verhaftung des Landgrafen Philipp durch Kaiser Karl V. berieten 1547 die hessischen Landstände am Spieß über die Verwaltung des Hessenlandes während seiner Abwesenheit.

Nach dem Tode Landgraf Philipp wurde den Landständen am Spieß dessen Testament bekanntgegeben.

Der Spieß mit all seinen historischen Ereignissen wurde so zu einem Markstein unser Heimatgeschichte. (nh)

Karl Schmidt

Quelle: HNA

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