Heßlers Vermächtnis: Begeisterung für Rückkauf der EAM

Borken. Vielleicht kann man sich die Begeisterung von Borkens Bürgermeister Bernd Heßler für den Rückkauf der EAM so erklären, dass er bereits an einer Art politischen Vermächtnis arbeitet.

Und es schlösse sich gewissermaßen ein Kreis. Am Anfang von Heßlers Amtszeit stand das Ende der Kohle-Ära in Borken, beschleunigt durch das dramatische Grubenunglück in Stolzenbach. Die Folgen für die Stadt waren auch in wirtschaftlicher Hinsicht einschneidend.

Und nun, mit dem Beschluss der Stadtverordneten vom Dienstagabend, wird die Stadt Anteilseigner des Energieversorgers EAM. Die ehemalige Eon-Mitte soll in das Eigentum von Städten, Gemeinden und Landkreisen übergehen. Wenn Heßler im Herbst 2017 aufhört, ist das in die Wege geleitet.

Das Konstrukt dafür ist kompliziert. So kompliziert, dass vier Beratungsunternehmen und drei Banken an dem Geschäft beteiligt sind, wie Heßler erläuterte. Zudem sei alles durch die Kommunalaufsicht eingehend geprüft worden.

Wenn der Plan aufgeht, dann bekommt die Stadt für einen geringen Einsatz einen großen Erlös. Gerade einmal 1168 Euro investiert die Stadt, herauskommen soll bis zum Jahr 2039 ein Wert von geschätzten acht Millionen Euro werden - in Anteilen.

Natürlich geht ein Geschäft dieser Größenordnung nicht ohne Risiko. Die Stadtverordneten halten dieses jedoch für überschaubar. Borken übernimmt Ausfallbürgschaften von knapp sieben Millionen Euro.

80 Prozent ihres Umsatzes und Gewinnes erziele die EAM aus Durchleitungsentgelten für ihre Stromnetze, diese Einnahmen gälten als sicher. Zehn Prozent sollen aus dem Vertrieb von Strom und Gas kommen, Partner sind die Städtischen Werke Kassel. Und weitere zehn Prozent sollen aus erneuerbaren Energien kommen.

Gelobt wurden die Einflussmöglichkeiten, die man bei der neuen Firma haben.

Deutlich wurde in der Versammlung, wie schwierig das Geflecht zu verstehen ist, mit dem die EAM aufgebaut. So beteiligen sich Städte und Gemeinden nicht direkt, sondern über drei Sammel- und Vorschaltgesellschaften (Nord, Süd, Mitte). Unter anderem sei das steuerlich besser, sagte der Bürgermeister.

Man sei mit Informationen „förmlich erschlagen“ worden, sagte Marcel Pritsch-Rehm (FWG). Und Lutz Baumann, der eine Rekommunalisierung grundsätzlich befürwortet, sah sich angesichts der Komplexität überfordert. Er könne nicht erkennen, ob das Geschäft gut für die Stadt sei. Baumann enthielt sich der Stimme.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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