Konrad Sinkowitz (71) schmiedet landwirtschaftliche Geräte im Miniaturformat

Hier glüht der Hammer

Miniaturen aus Metall: Konrad Sinkowitz (71) aus Schrecksbach ist seit seiner frühen Jugend begeisterter Hobbyschmied. Unter anderem baut er maßstabsgetreu landwirtschaftliche Geräte wie Pflüge und Eggen nach. Fotos:  Rose

Schrecksbach. Ohne Hammer und Meißel kann Konrad Sinkowitz nicht sein: Kaum ein Tag vergeht, an dem der 71-Jährige aus Schrecksbach die Werkzeuge nicht in Händen hält. Konrad Sinkowitz schmiedet. Seit seinem 16. Lebensjahr verarbeitet er mit großer Begeisterung Metall.

Und das kam nicht von ungefähr. Der Vater war Schmied und Sinkowitz lernte bei Hellwig in Ziegenhain 1957 den Beruf des Landmaschinenschlossers. Doch das war dem Schrecksbacher nie genug: Seit mehreren Jahrzehnten schmiedet der 71-Jährige unter anderem Ackergeräte in Miniaturformat, im Maßstab eins zu fünf. Dazu zählen Pflüge, Eggen und Roder, an denen jedes noch so kleine Detail stimmt. Und die auch funktionstüchtig sind. Auf Millimeterpapier zeichnet er die Einzelteile maßstabgetreu auf.

Altes gekauft und gesammelt

Was Sinkowitz im Kleinen in seinem Wohnzimmer stehen hat, steht im Großen in einer Scheune in Heidelbach. „Ich habe die ausgemusterten Geräte gekauft und aufgearbeitet“, erzählt er. Mittlerweile habe er jedoch vieles an Museen abgegeben, unter anderem stehen seine Schätze im Dorfmuseum in Holzburg. Bei den Ackereräten blieb es nicht. Alsbald fertigte der Schrecksbacher Scharniere für alte Schwälmer Bibeln, arbeitete Schnallen für die Schwälmer Schuhe nach – „ebenfalls als Miniatur für Puppen“. Sein wichtigstes Werkzeug seien ein Hammer, der ursprünglich für das Dengeln der Sense benötigt wurde sowie eine Bügelschere.

Doch nicht nur Praktisches fertigte der Schrecksbacher in seiner Schmiedwerkstatt im Keller des Hauses an. Auch Kerzenständer und dekorative Rosen entstanden unter seinen gezielten Hammerschlägen. „Für die Rosen – es müssen zwischen 12 und 16 Blätter sein – verwende ich Alublech, die Stiele fertige ich aus Stahl, später lackiere ich sie“, erklärt er.

Stolz ist Konrad Sinkowitz auf eine geschmiedete Lampe, die im Restaurant „Landgraf“ in China hängt. Der Kölner Gaststätten-Einrichter Fritz Jäckel, gebürtig aus Schrecksbach, habe ihn damals damit beauftragt. Besonders die Miniaturen sind aufwendig: Zwischen 40 und 120 Stunden Arbeit steckten in den Ackergeräten, schätzt Sinkowitz. Und der Schrecksbacher wird nie müde, Neues auszuprobieren: Er plant eine Blumenvase – mehr als einen halben Meter hoch – aus Alu mit ebenfalls metallenen Blüten.

Seine Werkstatt hat er allerdings nach Heidelbach verlagert. „Das ist der Familie im Haus doch zu laut“, sagt er. Noch immer freut er sich, dass seine Hammerschläge präzise sitzen. Auch wenn Konrad Sinkowitz gesundheitlich eingeschränkt ist. „Ich könnte Tag und Nacht schmieden“, beschreibt er seine Begeisterung. „Und ich hoffe, dass das noch möglichst lange so bleibt.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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