22 Selbsthilfegruppen informierten am Silbersee zum 12. Mal über ihre Arbeit – Premiere für Organisatorin Silke Köster

Hilfe beginnt mit einem ersten Schritt

Referierte über eine tückische Krankheit: Sabine Hildebrand aus Guxhagen gründete vergangenes Jahr die erste Borderline-Gruppe in Melsungen.

Frielendorf. Den ersten Schritt wagen und die Hilfe zur Selbsthilfe annehmen: Das ist immer noch eine Hemmschwelle, sagte Helga Hast von der Selbsthilfegruppe Depash (Depression und Angst Selbsthilfe). Der Aktionstag der Selbsthilfegruppen, wie er am Sonntag zum 12. Mal am Silbersee in Frielendorf stattfand, hilft diesen Punkt zu überwinden und Kontakte zu knüpfen.

In der gemütlichen Runde am Gang zwischen den Tischen falle es leichter, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, sagte Silke Köster vom Verein Unsere besonderen Kinder. Sie hatte den Aktionstag das erste Mal leitend organisiert und übernahm die Rolle der Initiatorin Friedgunde Ampft, die ausgeschieden ist.

22 Gruppen aus dem Kreis informierten über Arthrose, Diabetes, Osteoporose, psychische Störungen, Sucht, benachteiligte Kinder, Therapiehunde und vieles mehr. Die Palette war breit, immer ist es das Ziel, in schwierigen Situationen Mut zu machen.

„Viele glauben wenn sie einer Selbsthilfegruppe beitreten, dann würden sie nur noch über die Krankheit reden“, sagte Marlies Dingel von der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Das größte Problem sei der Blick in den Spiegel: Wer einen anderen mit dem gleichen Schicksal wahrnimmt, muss sich auch seiner Angst stellen. Erst im Gespräch würden die meisten erfahren, dass es zwar darum gehe zu informieren, aber das Thema sei eigentlich das Miteinander. Das Schicksal oder eine Krankheit verbinde auch. Man profitiere von den Erfahrungen der anderen Betroffenen und könne sich gegenseitig unterstützen, sagte Dingel. So könne man die Lebensqualität verbessern und Freude am Leben zurück zu gewinnen.

„In den Selbsthilfegruppen stehe nicht die Krankheit, sondern der Mensch im Mittelpunkt“, sagte Landrat Frank-Martin Neupärtl, der Schirmherr der Veranstaltung war.

„Viele meinen, wenn sie einer Selbsthilfegruppe beitreten, dann würden sie nur noch über die Krankheit reden.“

Marlies Dingel

Vom Zwiespalt bei der Suche nach Hilfe und dem offenen Umgang mit der Krankheit sprach auch Sabine Hildebrandt, die das erste Mal dabei war. Die Guxhagenerin leitet die Borderline-Selbsthilfegruppe in Melsungen. Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist. Hildebrandt ist selbst betroffen und erklärte in einem Referat die tückische Krankheit und deren Behandlungsmethoden. „Borderline ist ein Tabuthema“, sagte Hildebrandt. Die meisten seien der Ansicht, man könne damit keinen normalen Alltag bewältigen und haben Angst vor der Öffentlichkeit. „Mit dieser Vorstellung möchte ich aufräumen und aufklären“, sagte die junge Frau. Seit der Gründung der Gruppe im vergangenen Jahr traten 16 Mitglieder bei, Tendenz weiter steigend.

Nordhessenweit gegen Angst

Einen guten Zulauf hat auch Depash. Die Gruppe gegen Depressionen und Angststörungen wurde vor 15 Jahren gegründet und hat heute 375 Mitglieder, die sich in ganz Nordhessen regelmäßig treffen. Solch ein Engagement ist sicher beispielhaft für die Arbeit. Tina Schmidt von KISS, der Kontaktstelle für die Selbshilfegruppen, unterstützt die Gruppen, hilft bei der Gründung. Sie hält es für wichtig, dass Profis wie Ärzte und die Ehrenamtlichen bei der Bewältigung der Krankheit zusammenarbeiten.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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