Lions-Club unterstützt Ärzte-Organisation in Eritrea – Fritzlarerin brachte Medikamente

Hilfe ist dringend nötig

Hilflos und krank: Kinder wie dieses Baby sind in Eritrea dringend auf medizinische Unterstützung angewiesen. Über die Organisation Archemed helfen Ärzte und Pflegepersonal aus Deutschland mit mehrwöchigen Einsätzen. Fotos: nh

Fritzlar/Asmara. Das Mädchen aus dem Waisenhaus in Asmara ist schon auf einem Auge blind, das andere ist voller Eiter. Ohne Behandlung droht ihr völlige Blindheit. „Da kommen einem die Tränen, wenn man das sieht“, sagt Ulrike Wenke-Kathen.

Die Fritzlarerin reiste im November zusammen mit einer Gruppe des Soester Vereins Archemed in eines der ärmsten Länder der Welt, nach Eritrea im Osten Afrikas. Infektionen durch mangelnde Hygiene sind die Ursache solcher Augenerkrankungen, die in Eritrea weit verbreitet sind.

Sie können vermieden werden, bei entsprechender medizinischer Betreuung. Die Kinder sind es vor allem, um die sich die Initiatoren des Vereins Archemed kümmern. Für ihre Arbeit sind sie auf Unterstützung angewiesen. Ulrike Wenke-Kathen hatte deshalb 2000 Euro aus der Spendenkasse des Lions-Fördervereins Schwalm-Eder/Borken sowie jede Menge Medikamente und Hygienematerial im Gepäck, das Clubmitglieder besorgt und gespendet hatten.

„Wer sieht, wie es dort in den Krankenhäusern aussieht, der weiß, dass jede Spende notwendig und willkommen ist“, sagt die Fritzlarerin. Für fünf Millionen Einwohner gibt es in dem Land nur 80 Ärzte. Wer medizinische Behandlung benötigt, muss weit laufen – Krankenhäuser gibt es nur wenige.

Besondere Hilfe benötigen wieder die Frauen und ihre Kinder. Geburtshilfe und Kinderheilkunde sind gerade auf dem Lande kaum ausgebaut, dabei sind 48 Prozent der fünf Millionen Einwohner Eritreas Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre.

Mit seiner Spende unterstützt der hiesige Lions-Club die Arbeit von Archemed (siehe Hintergrund). Mediziner und Fachpersonal engagieren sich in der Organisation, fliegen während ihres Urlaubs nach Eritrea, operieren dort die dringendsten Fälle, schulen das einheimische Personal. Ihr Einsatz gilt besonders den Kindern, die mit einem Herzfehler geboren werden. In der Hauptstadt Asmara entstanden in den vergangenen Jahren ein Operationssaal, eine Kranken- und eine Intensivstation. Dort arbeiten die ausländischen Ärzte, operieren zwei- bis dreimal im Jahr über mehrere Wochen die Herzpatienten. Ohne Spenden wäre so etwas nicht möglich.

Neue Geburtsklinik

In der zweitgrößten Stadt Eritreas, Keren, plant Archemed jetzt den Neubau eines Geburtshauses mit Neugeborenenstation. Dafür sind 600 000 Euro veranschlagt – ein Riesenprojekt. „Jetzt ist wenigstens die Regierungszusage da“, sagt Ulrike Wenke-Kathen, denn ohne Genehmigung und Unterstützung des Staates gehe rein gar nichts in Eritrea.

Zurzeit werden die Räume des Krankenhauses in Keren instandgesetzt und die Mitarbeiter weiter ausgebildet. Im Frühjahr soll mit dem Neubau begonnen werden. Im Einzugsgebiet leben etwa zwei Millionen Menschen, geplant sind 2500 Geburten jährlich, dann unter wesentlich besseren Bedingungen.

„Es ist kaum vorstellbar, wie die Frauen dort gebären“, sagt Ulrike Wenke-Kathen. Lange Wegstrecken und Wartezeiten hätten oft schlimme Folgen, Kinder werden mit Hirnschäden geboren, die Mütter verletzt. „Wenn man das gesehen hat, bekommt man wieder einen Blick für die Realität“, sagt die Fritzlarerin. Sie fühlt sich reich beschenkt durch die vielen Begegnungen mit den Menschen in Eritrea und will weiter das Interesse an der Arbeit des Vereins wecken.

Spendenkonto: Archemed Ärzte für Kinder in Not e.V., Sparkasse Soest, BLZ 414 500 75, Konto 88203.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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