Hospizgruppe organisiert ab Februar Kurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter

Hilfe auf dem letzten Weg

Stehen Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite: Franz Fenner und Ute Vogel von der Hospizgruppe Treysa betreuen seit 2008 Menschen auf ihrem letzten Weg. Foto: Rose

Treysa. Ute Vogel hat vor vielen Jahren ihre Eltern gepflegt. Zuhause. „Wie sehr hätte ich mich über einen Menschen gefreut, der mir in dieser Situation einfach mal zuhört – ich habe mich hilflos gefühlt“, erzählt die Ziegenhainer Frisörmeisterin. Und so reifte irgendwann der Wunsch, anderen zu helfen: Menschen beim Sterben zu begleiten. Seit 2008 ist sie eine von neun Helfern, die sich in der Hospizgruppe Treysa ehrenamtlich engagieren. Jetzt braucht das Team Verstärkung. Für Ende Februar ist ein Qualifikationskurs für ehrenamtliche Sterbebegleiter geplant.

Die Qualifizierung nach dem so genannten Celler Modell dauert ein Jahr: 72 Stunden Theorie, etwa 24 Stunden Praxis in Form von Besuchen. „Wir lassen uns bewusst viel Zeit“, erklärt Koordinator Franz Fenner. Sterbebegleitung sei immer dann gefragt, wenn Gesprächsbedarf bestünde. „Das gilt sowohl für Sterbende als auch für deren Angehörige“, verdeutlicht Fenner.

Ute Vogel hat bisher sieben Menschen begleitet. Durch den Kurs habe sie sich gut vorbereitet gefühlt: „Es war ein Prozess der persönlichen Reife.“ Im Kurs lerne man, Menschen das Gefühl zu geben, den Weg ein Stück weit mitzugehen: „Und zwar in seinem Tempo, mit seinen Schritten und seinen Themen“, erläutert Fenner.

Sich selbst zurückzunehmen und die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zu stärken setze voraus, dass der Sterbebegleiter Eingebundenheit und Akzeptanz in der eigenen Familie erfahre. „Sonst läuft man Gefahr, die Last als noch stärker zu empfinden“, sagt der Koordinator.

Der Kurs sei ein Selbstreflexionsprozess. „Manche Menschen stellen im Kurs auch fest, dass die direkte Begleitung nichts für sie ist – mitarbeiten kann man in der Gruppe trotzdem“, erläutert Franz Fenner. Deutlich im Vordergrund jeder Begleitung steht der Aufbau einer Beziehung: „Das Reden über den eigenen Tod ist mit nahen Angehörigen oft unmöglich“, hat Ute Vogel die Erfahrung gemacht.

Auch für die ehrenamtlichen Sterbebegleiter sind regelmäßige Gespräche mit einer Supervisorin allein oder in der Gruppe wichtig. „Aber ich habe nie emotional draufgelegt. Ich habe das Gefühl, anderen nah zu sein und etwas sehr sinnvolles zu tun“, sagt Vogel entschieden. Der nahende Tod setze Prozesse in Gang, die sie oft als heilsam empfunden habe. „Wenn der Punkt erreicht ist, dass Menschen mit sich selbst im Reinen sind, dann hat das Sterben seinen Schrecken verloren“, erzählt sie. Willkommen sind Menschen jeden Alters, gleichwelcher Konfession: „Aber wir erwarten die Offenheit, sich auf Bilder und Inhalte christlicher Tradition einzulassen und sich mit ihnen auseinander zu setzen“, sagt Franz Fenner.

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Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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