HNA-Redakteurin Maja Yüce ist dabei 

Reportage: Hilfstransport für Stolin ist unterwegs

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Ein Selfie kurz vor der Einfahrt ins weißrussische Stolin: Helmut Albert, Joachim Jerosch, Maja Yüce, Eduard Gellert und Klaus Bölling haben 36 Stunden Fahrt hinter sich und freuen sich auf die Menschen, die sie besuchen werden. 

Homberg. 36 Stunden, so lange war das Team des Hilfstransports von Homberg nach Stolin in Weißrussland unterwegs. 

Viele Stunden verbrachten sie auf der Straße und viele davon mit Warten - im Stau und an der Grenze. HNA-Redakteurin Maja Yüce ist dabei und berichtet von ihren Eindrücken.

Es sind die Menschen, die den Partnerschaftsverein Homberg/Stolin ausmachen. Und jeder von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte. Sieben der Mitglieder machten sich am Freitag auf die über 1450 Kilometer lange Strecke nach Stolin.

Sie stammt aus der Region Stolin: Irina Fahnenstiel, Lehrerin an der Fritzlarer Anne-Frank-Schule. Sie kam 2007 nach Homberg.

Da ist Irina Fahnenstiel, Lehrerin an der Fritzlarer Anne-Frank-Schule. Sie stammt aus der Region um Stolin und kam 2007 nach Homberg. Damals begleitete sie die Kinder, die der Partnerschaftsverein regelmäßig im Sommer zur Erholung nach Homberg holt, als Betreuerin. In Homberg lernte sie ihren heutigen Mann Waldemar kennen.

Gemeinsam begleiten sie seitdem immer wieder die Hilfstransporte. „Weil wir es gerne machen und weil es eine gute Sache ist“, sagt sie. Die Kleiderspenden und die anderen Hilfsgüter könnten vor allem ältere Menschen und Kinder dringend gebrauchen. Sie seien es, die durch das Netz fielen, erklärt die gebürtige Weißrussin.

Ihr Mann fährt während der Tour im vierstündigen Wechsel mit Joachim Jerosch, dem Vorsitzenden des Vereins, den voll beladenen Laster. Längst sind die Fahnenstiels auch schon öfter zu dritt in Stolin gewesen - ihre Tochter Katrin gehört fest zum Team.

In die Vergangenheit 

Die Familie von Eduard Gellert ist neu im Verein und hat fest vor, im nächsten Jahr beim Hilfstransport dabei zu sein. Der Waßmuthshäuser unterstützt den Verein zum zweiten Mal. Er sitzt abwechselnd mit Klaus Bölling hinter dem Steuer des 23 Jahre alten Wohnmobils. Sein Freund Waldemar habe ihn gefragt, ob er helfen könne. Er konnte. „Die Menschen in Stolin haben wenig und kaum eine Möglichkeit, in ihrem Leben etwas zu erreichen“, sagt Gellert. Ein wenig sei es auch jedes Mal eine Reise in die Vergangenheit, so der 40-jährige, der aus Kasachstan stammt.

Ins Schwelgen geraten die Homberger Helfer, wenn sie von ihren früheren Reisen erzählen. Es ist der 30. Hilfstransport nach Stolin. Viel zu erzählen. Viel zu lachen. Sie reden über Kinder, die längst keine mehr sind und die die Homberger freundlich grüßen. „Weil sie sich an uns und ihren Erholungsurlaub bei uns erinnern“, sagen Fahnenstiel und Jerosch. Es geht weiter. Entlang an Hochhaussiedlungen in den Städten. An kleinen Holzhütten mit großen Gärten in den Dörfern. An Friedhöfen, deren quietschbunter Plastikblumenschmuck gar nicht traurig wirkt. An Seenlandschaften, Sümpfen und weiten Feldern. An Werbetafeln und Bushaltestellen.

Bunter Plastikblumenschmuck auf Friedhöfen: Eindrücke von der Fahrt durch ein fremdes Land.

„Die Menschen in Stolin haben wenig und kaum eine Möglichkeit, in ihrem Leben etwas zu erreichen.“

„Es sind viele Freundschaften entstanden“, sagt Dieter Krippner aus Homberg. Er pflegt eine von ihnen. Seit dem zweiten Transport ist er dabei und schläft nicht wie alle anderen im Studentenwohnheim in Stolin, sondern bei einer Familie. Deren Sohn hatte er beim zweiten Austausch bei sich aufgenommen. Mittlerweile ist der Junge 33 Jahre alt.

Für Helmut Albert ist es die zwölfte Tour. Er hatte in der Zeitung gelesen, dass der Verein Busfahrer für den Transport der Kinder suchte und sich prompt gemeldet - er holte schon öfter Kinder zum Erholungsaufenthalt mit dem Bus ab. Diesmal springt er als Laster- und Autofahrer ein.

Nach 36 gemeinsamen Stunden dicht an dicht ist klar, sie alle helfen, weil Hilfe in der Tschernobyl-Region auch 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe benötigt wird. So einfach ist das manchmal.

Das ist es auch dann noch, wenn ihnen die lange Strecke, die vor allem auf den letzten Kilometern über Weißrusslands Holperstraßen anstrengend wird, in den Knochen sitzt.

Auch dann noch, wenn man wieder mal von einer Kontrolle gestoppt wird und Geld für einen an den Haaren herbeigezogenen Grund zahlen soll - in Euro, versteht sich.

„Wenn wir ankommen und die Menschen treffen, die unsere Freunde geworden sind, dann entschädigt das für Vieles“, sagt Klaus Bölling.

30. Hilfstransport nach Stolin: 36 Stunden unterwegs

Quelle: HNA

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