Hospitalskonzert mit Pianist Alexander Urvalov

Hinein horchen in die russische Seele

Treysa. Auf Spurensuche nach der „rätselhaften russischen Seele“ machten sich am Samstagabend der Pianist Alexander Urvalov und die Zuhörer in der ausverkauften Treysaer Hospitalskapelle. Es war das nunmehr 18. Konzert der gleichnamigen Reihe unter der Regie von Stefan Reitz und Freunden neuer Musik. Immer wieder bereichert der russische Pianist den ausgefallenen Programmreigen, unter anderem konzertierte er zusammen mit seinem Sohn.

Als Solist bewies Urvalov einmal mehr, wie wandelbar die Werke russischer Komponisten interpretiert werden können. Im Mittelpunkt der Klangreise standen Werke von Sergei Rachmaninov (1873-1943) und Alexander Scrjabin (1872-1915).

Einstimmendes boten Stefan Reitz (Altsax), Juliane Knauf (Altsax) und Tobias Altmann am Baritonsax: Reitz hatte hierfür eigens sechs Miniaturen für Klavier von Dmitrij Kabalewski bearbeitet. Der musikalische Aperitif kam hervorragend an.

Alexander Urvalov interpretierte zunächst das in den USA bekannteste Werk Rachmaninovs, ein Präludium in cis-moll. „Das musste er nach seiner Immigration in die Vereinigten Staaten immer als Zugabe spielen“, erläuterte Urvalov. Vor allem dieses Werk unterzog Adorno einer vernichtenden Kritik, beschrieb es „als ein plakatives Schaustück, mit dem Dilettanten Kraft und Virtuosität vortäuschen könnten“. Übers Komponieren habe Rachmaninov stets gesagt: „Meine Heimat hat meinen Charakter und meine Ansichten geprägt, einfach und direkt zu sagen, was mir am Herzen liegt.“ Diese Herzensangelegenheiten transportierte Urvalov in expressive und dynamische Klänge, die lebhafter und emphatischer kaum hätten vorgetragen werden können.

Gegenseitige Provokationen

Neue Wege der Tonalität propagierte der Komponist Alexander Scrjabin. Rachmaninow konnte dem nichts abgewinnen. Rachmaninow und Skrjabin kannten sich schon aus der Konservatoriumszeit. „Sie waren zwar keine guten Freunde, aber auch nicht miteinander verfeindet“, erklärte Urvalov. In der Frage um die neue Tonalität wurden sie allerdings zunehmend zu Konkurrenten. Gegenseitige Provokationen blieben nicht aus. Gleichwohl zeigte sich Rachmaninow über Scrjabins frühen Tod 1915 tief betroffen und spielte eine ganze Tournee mit seinen Werken.

Schon mit 15 Jahren schrieb Scrjabin eine Etüde in cis-Moll, es entstanden in der Folge weitere 24 Etüden. Klaviersonaten – zu hören waren Drammatico, Allegretto, Andante und Presto con fuoco – entwickelte er zur Einsätzigkeit weiter. Der Abend endete mit zwei Werken aus „Le Poème de l’Extase“, einem fulminanten Orchesterwerk. Spätestens da war es den Zuhörern dank Urvalovs grandiosem Spiel gelungen, in die rätselhaften russischen Seele hinein zu horchen. (zsr)

Quelle: HNA

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